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Ein Fest
gegenseitigen Beschenkens ("Bescherung"). Kleinen Kindern
gegenüber werden die Geschenke auch als Geschenke Dritter
("Weihnachtsmann", "Christkind") ausgegeben - vergleichbare
soziale Bräuche existieren auch sonst, um überreich Beschenkte
von der Verpflichtung zu entlasten, das Geschenk zu erwidern.
Überblick
Weihnachten ist mit Ostern
und Pfingsten eines der drei Hauptfeste (katholisch: Hochfeste)
des Kirchenjahres, das mit der Adventszeit beginnt. Die
Weihnachtszeit reicht von der ersten Vesper der Geburt von Jesus
Christus bis einschließlich zum Sonntag nach Epiphanias, dem
Fest seiner Erscheinung (Heiligen Drei Könige).
Als kirchlicher Feiertag ist der 25. Dezember seit 336 in Rom
belegt; die Herkunft des Datums ist umstritten. Oft wird das
römische Fest des Sonnengotts als Ursprung angenommen; das
germanische Julfest ist erst später belegt.
Christen und Nichtchristen feiern Weihnachten heute meist als
Familienfest mit gegenseitigem Beschenken; dieser Brauch ist im
evangelischen Bereich seit dem 16. Jahrhundert bekannt. In
katholischen Familien fand die Kinderbescherung am Nikolaustag
statt. Hinzu kamen alte und neue Bräuche verschiedener Herkunft,
zum Beispiel Krippenspiele seit dem 11. Jahrhundert, zudem der
Adventskranz (1839), der geschmückte Weihnachtsbaum (15.
Jahrhundert) und der Weihnachtsmann (20. Jahrhundert). Dieser
machte dem Christkind und dem Nikolaus als Gabenbringer für die
Kinder in manchen Regionen zunehmend Konkurrenz. Viele Länder
verbinden weitere eigene Bräuche mit Weihnachten.
Wortentstehung
Der früheste Beleg für den Ausdruck Weihnacht stammt aus 1170: „diu
gnâde diu anegengete sih an dirre naht: von diu heizet si diu
wîhe naht.“ (Übers.: Die Gnade (Gottes) kam zu uns in dieser
Nacht: deshalb heißt diese nunmehr Weihnacht.) (Lit.: J. Kelle
1858).
Schon früh wurde die Vermutung geäußert, dass der Name
vorchristlichen Ursprungs sei: „das dieser heydnisch nam
[Ostern] und standt nicht von Petro, sonder von den heyden in
das christenthumb ist kommen, wie auch die fasznacht, weinnacht
etc.“ (Lit.: Franck 1538).
Der Erste Wortteil weih wird von weich = heilig, gotisch weihs,
althochdeutsch wîh, mittelhochdeutsch wîch abgeleitet. Einige
Sprachforscher stellen *wich-a-z als Partizip passiv zur Wurzel
wîq (weichen), so dass es sich um ein von der Herde
abgesondertes Opfertier handele und verweisen auf das
lateinische victima und dessen Sippe (Lit.: Grimm 1984, Bd. 28
Sp. 473 f.).
Luther dachte an wiegen und bildete Wygenachten, „da wir das
kindlein wiegen“ (Lit.: Luther Bd. 2, 531 und 37, 48). Aber auch
der zweite Wortteil ist für einen Festtag ungewöhnlich und weist
auf hohes Alter hin. Tacitus schrieb in Germania Kap. 11: nec
dierum numerum, ut nos, sed noctium computant (Nicht die Zahl
der Tage, wie wir, sondern die Nächte zählen sie). Etymologisch
wird auch eine Herkunft aus dem Mittelhochdeutschen ze wihen
nahten ("in den heiligen Nächten") gesehen, was auf die schon
zur germanischen Zeit gefeierten Mittwinternächte
(Wintersonnenwende) hinweist.
Theodor Storm bildete aus dem Substantiv "Weihnachten" dann das
Verb weihnachten. (Lit.: Storm Bd. 1 S. 187). In seinem Gedicht
vom Knecht Ruprecht heisst es in den Anfangs- und Schlusszeilen:
Von drauß´ vom Walde komm ich her;
Ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Geschichte
Innerchristliche
Entstehung
Das Geburtsdatum Jesu wird im Neuen Testament nicht genannt und
war schon den Urchristen unbekannt. Doch bereits im 2.
Jahrhundert ist ein wachsendes Interesse daran feststellbar.
Dabei spielte das Frühlingsäquinoktium am 25. März eine
besondere Rolle. Für dieses nahm man den ersten Schöpfungstag
und den Tag des Kreuzestodes Christi an. Der vor 221 schreibende
Julius Africanus bezeichnete den 25. März als Datum seiner
Passion als auch seiner Empfängnis, was bei einer exakt
neunmonatigen Schwangerschaft Marias zu einem Geburtstag am 25.
Dezember führen würde.
In Ägypten gab Clemens von Alexandria (Stromata I 145, 6) jedoch
schon zu Beginn des 3. Jahrhunderts einen Tag zwischen Ostern
und Pfingsten als Geburtstermin an. In den ältesten christlichen
Kalendern, z.B. im Osterkanon des Hippolyt von Rom (De pascha
computus) aus dem Jahre 222, wurde Jesu Geburt und sein Tod auf
den 14. Nisan gelegt (Lit.: Strobel 1962, S. 183 ff.). Der
Ursprung dieses Datums liegt nach Strobel in einer jüdischen
Haggada, die Isaak, das Vorbild Christi in der frühen Kirche,
ebenfalls am 14. Nisan geboren sein lässt. Hippolyt kannte also
das Datum des 25. Dezember als Geburtstag Jesu sicher noch
nicht. Eine entsprechende Stelle in seinem Danielkommentar ist
als spätere Interpolation erwiesen.
In der morgenländischen Kirche war für den Dienstag, Mittwoch
und Donnerstag der 3. Woche nach Ostern die gleiche Leseordnung
vorgeschrieben wie zu Weihnachten - bei den Armeniern die vom
5./6. Januar, in der georgischen Kirche die vom 25./26.
Dezember. Es gab also in der altpalästinensischen Kirche eine
Zeit, in der der Geburtstag Jesu Mitte Mai gefeiert wurde. Die
Nonne Egeria beschrieb in einem Reisebericht für diese Zeit eine
besondere Feier in der Geburtskirche mit nächtlichem
Gottesdienst zu Bethlehem. Eine auf der Brust getragene
Reliquienkapsel (Enkolpion) im Museum von Konstantinopel stellt
eine Krippe dar und verweist in der Beischrift auf den 25. Mai (Pachoni).
Eine Abschrift einer altpalästinensichen Liturgie führt die
Weihnachtsliturgie für den 16. bis 28. Mai auf (Lit.: Kluge).
Erstmalig wird der 25. Dezember ausdrücklich von Furius
Dionysius Filocalus in seinem Chronograph von 354 genannt, der
auf römischen Quellen aus dem Jahre 336 beruht. Ein Verzeichnis
der römischen Konsuln enthält den Eintrag: „Christus ist während
des Consulats von C. Augustus und L. Aemilianus Paulus am 25.
Dezember, einem Freitag, dem 15. Tag des Mondalters geboren“. In
dieser römischen Quelle, deren Authentizität allerdings nicht
unumstritten ist, ist das Datum auch als liturgischer Festtag zu
verstehen. Wie lange davor der 25. Dezember als Festtag begangen
wurde, ist unbekannt.
In Rom, wo der Geburtstag Jesu zuerst am 25. Dezember, und zwar
nach der Weihnachtshomilie des Hieronymus von Anfang an,
gefeiert wurde, spielte eine Berechnung, wie sie Africanus
anstellte, keine Rolle. Stattdessen gibt es mehrere spekulative
Vermutungen über den dortigen Ursprung des Festdatums:
* Er sei als Dankgebet der Kirche für den Sieg Kaiser
Konstantins (so Hans Lietzmann (Lit.: Lietzmann 1932))
aufgekommen. Dann wäre der Festtag nach 313 entstanden. Dem
steht entgegen, dass der 25. Dezember in Konstantinopel, der
Stadt Konstantins, erst um 380 angenommen wurde.
* Er sei als Reaktion auf den von Kaiser Aurelian verfügten
Geburtstag des Sol Invictus zur Wintersonnenwende des
julianischen Kalenders am 25. Dezember entstanden, an dem auch
die Geburt des Mithras gefeiert worden sein soll. Das würde zu
einer Einführung um 300 führen (Lit.: Jungmann 1955, S. 299).
Die Ansicht, Weihnachten sei an die Stelle eines älteren Festes
über die Geburt der Sonne getreten, wurde erstmals in einer
Randglosse des syrischen Kirchenschriftstellers Dionysius bar
Salibi aus dem 12. Jahrhundert vertreten. Neben den antiken
Herleitungen gibt es heute weitere Hypothesen:
* die Berechnungshypothese von Duchesne, Strobel, Engberding und
Fendt. Danach vertraten alte jüdische Schriften die Vorstellung,
dass große Patriarchen am selben Tag geboren wurden und starben.
Denn Gott billige nur das Vollkommene, lasse seine
hervorragenden Verkünder auf Erden also nur volle Lebensjahre
leben. Das galt insbesondere für Isaak, der für Christen Jesu
Vorbild wurde. Auch für Jesus wären Anfang und Ende seines
irdischen Lebens demnach auf das gleiche Datum gelegt worden,
nämlich den 14. Nisan des Jahres 30, der dem 25. März
entsprochen hätte. Dabei müsste man jedoch seinen Lebensanfang
mit Marias Empfängnis gleichsetzen. Das hätte den 25. Dezember
als Geburtstermin ergeben. Der heidnische Sol Invictus sei erst
eine sekundäre Begründung und nicht der primäre Anstoß gewesen
(Lit.: Duchesne 1925, S. 271 ff.; Strobel 1962; Engberding,1952,
S. 25 ff.; Fendt 1953, S. 1 ff.).
Zum Gedanken des wahren „Sol invictus“, des Siegers über den
Tod, kam noch die Weltenharmonie als göttliche Ordnung: Danach
war das Sonnenjahr so geordnet, dass zur Zeit des
Herbstäquinoktiums am 24. September die Verkündigung und
Empfängnis Johannes des Täufers, zur Sommersonnenwende am 24.
Juni dessen Geburt, zum Frühlingsaequinoktium die Empfängnis
Jesu und zur Wintersonnenwende seine Geburt stattfanden.
Sowohl die Berechnungshypothese als auch die an den Sol invictus
gekoppelte Hypothese lassen Fragen offen: z.B., mit welcher
Berechtigung der üblicherweise maßgebliche Geburtstermin auf den
Termin der Empfängnis zurückverlegt sein sollte. Die Hypothese
des Festes für den Sol invictus räumt der kulturellen Umgebung
des frühen Christentums einen größeren Einfluss auf die Kirche
ein, als die Zeitgenossen es wohl zugegeben hätten.
Auch die afrikanische Kirche feierte von vornherein nur den 25.
Dezember. Augustinus warf den Donatisten vor, bei der Feier der
Epiphanie abzuweichen, was manche aus einem argumentum e
silentio vermuten lässt, dass der 25. Dezember bereits vor dem
donatistischen Schisma 311 in Afrika der Weihnachtstermin
gewesen sei. Ältestes Zeugnis ist eine überlieferte Predigt des
Optatus von Mileve aus der Zeit um 360 über den
Bethlehemitischen Kindermord. Für Oberitalien ist das Datum für
das Ende des 4. Jh. unter anderem durch Filastrius von Brescia,
Diuersarum hereseon liber, Kap. 140, belegt. Die Synode von
Saragossa bezeugte in can. 4 das Datum für das Jahr 380 in
Spanien. Für Gallien gibt es für diese Zeit noch keinen Beleg.
Erst im 5. Jahrhundert nennt es Gregor von Tours (Fränkische
Geschichte 10, 31). Im deutschsprachigen Raum wird - soweit
ersichtlich - Weihnachten zum ersten Mal in den
Synodalbeschlüssen der Bairischen Synode erwähnt, deren
Datierung aber nicht gelungen ist. Nach dem Stil der
Veröffentlichung der Beschlüsse wird die Mitte des 8.
Jahrhunderts angenommen. Dort wird eine Fastenzeit für die Zeit
vor Weihnachten angeordnet. Gregor von Nazianz feierte das Fest
380 in Konstantinopel. Seine Predigten zu Weihnachten und
Epiphanie richteten sich gegen arianische und apollinaristische
Lehren und betonten das trinitarische Bekenntnis von Nicäa. In
Ägypten ist es ab 432 nachgewiesen, wohl in der
Auseinandersetzung mit Nestorius eingeführt. In Jerusalem wurde
es erst im 6. Jahrhundert unter Justinian II. gefeiert. Während
alle anderen Kirchen Weihnachten übernommen haben, hat die
Armenische Kirche bis heute nur den 6. Januar als Geburtsfest
Jesu.
Außerchristliche
Parallelen
Das mit Jesu Geburt verknüpfte kirchliche Motiv der
Jungfrauengeburt ist religionsgeschichtlich sehr alt: Schon der
altägyptische Mysterienkult um die Göttin Isis und ihren Sohn
Osiris lässt dieses Motiv erahnen. Ähnlich wird in der
Geburtsschilderung des gräko-ägyptischen Helios-Aion der
Gottessohn von einer unberührten Frau geboren. Sein Geburtstag
wurde in Alexandrien am 25. Dezember und in der Nacht von 5. auf
den 6. Januar begangen (Lit.: Norden 1924, S. 8, 33 ff.; H.
Rahner 1945, S. 1 f, 145 ff.).
Ebenso steht bei dem althebräischen Propheten Jesaja 7, 14, dass
eine Jungfrau gebären wird. Unter anderen hat Albertus Magnus
diese Stelle ebenfalls zur Berechnung der Geburtsstunde Jesu
herangezogen, indem Jesus die Jungfrau zum Aszendenten hatte, d.
h. an der Wintersonnenwende geht die Sonne mit dem Steinbock
auf, dementsprechend tritt Virgo genau zu Mitternacht über den
Horizont. Als weitere Anspielung weist Spica bzw. Stachys, die
Ähre der Korä, auf die Geburt im Haus des Brotes hin.
Im Koran wird die Weihnachtsgeschichte in der Sure 19 (16 - 34
[22-25]) erzählt.
Ob das christliche Weihnachtsfest als Übernahme solcher älteren
oder aber konkurrenzbedingte Verdrängung von parallelen
Mysterienkulten zu deuten ist, ist umstritten. Die antiken
Darstellungen von Isis und Osiris beeinflussten jedenfalls die
frühe christliche Ikonographie.
Der Ursprung aus einem germanischen oder skandinavischen Julfest
ist unhaltbar. Hinsichtlich eines vorchristlichen Julfestes gibt
es große Quellen-Probleme. Dass es für den Mittwinter bei den
Nordgermanen Feste gab, ist überliefert. Umstritten ist aber, zu
welcher Zeit sie stattfanden und welchen Inhalt sie hatten. Die
meisten Quellen sind nachchristliche Texte.
Es gibt zum einen die sprachgeschichtlichen Hinweise aus der
Verwendung des „Jul“-Begriffes. Ob dahinter ein ursprüngliches
„Julfest“ stand, oder ob das Wort selber ursprünglich einfach
nur „Fest“ bedeutet, ist umstritten. Jedenfalls taucht die
Bezeichnung in Monatsnamen für den Zeitraum November - Januar
auf.
Dann gibt es den Hinweis beim altisländischen Schriftsteller
Snorri, wonach der erste christliche König Norwegens Haakon der
Gute ein Fest namens „hoggunott“ bzw. „haukunott“ von Mitte
Januar auf den 25. Dezember habe verlegen lassen. Dies wird
zuweilen so gedeutet, dass der christliche König die übliche
mittwinterliche Einladung an seine Adligen auf den Weihnachtstag
vorverlegt habe. Der Text ist diesbezüglich aber nicht
eindeutig. Der Umstand, dass das Weihnachtsfest in Skandinavien
den Namen „Jul“ trägt, stützt jedoch diese These.
Die
Weihnachtszeit im Kirchenjahr
Die Weihnachtszeit unterteilt sich in eine vorweihnachtliche
Buß- und Fastenzeit (Adventszeit) sowie eine weihnachtliche
Freudenzeit. Die Adventszeit beginnt mit dem 1. Advent, der in
der Regel am vierten Sonntag vor Weihnachten gefeiert wird. Die
Weihnachtszeit endet am Sonntag nach Epiphanias (Fest der
Heiligen Drei Könige); dieser Sonntag ist liturgisch durch das
Gedächtnis an Jesu Taufe geprägt.
Abweichend von diesem in allen westlichen Kirchen geltenden
Brauch hat das Bistum Mailand trotz römisch-katholischer
Liturgiereformen seine ambrosianischen Regelungen beibehalten
dürfen; dort beginnt die Adventszeit, mit dem 11. November,
einem Quatember, wodurch sich sechs statt vier Adventssonntage
ergeben, und die Weihnachtszeit endet am 2. Februar mit dem
„Fest der Darstellung des Herrn im Tempel“ (Lichtmess). Damit
hat sich dort die Tradition bewahrt, dass Buß- und Fastenzeit
wie Freudenzeit um Weihnachten wie um Ostern in Anlehnung an
Jesu Rückzug in die Wüste (40 Tage; Matthäus 4,2 EU), die
Sintflut (40 Tage; Genesis 7,4.12 EU), Noahs Warten in der Arche
auf dem Ararat (40 Tage; Genesis 8,6 EU), Israels Exodus (40
Jahre; Exodus 16,35 EU) und anderes jeweils 40 Tage dauern.
An Lichtmess klingt die Weihnachtszeit nach. Der Grund dafür
liegt unter anderem in den gottesdienstlichen Perikopen des
Tages, die in den westlichen Kirchen gleich sind. In der
alttestamentlichen Lesung Maleachi 3,1-4 EU klingt die
Adventszeit nach, die Epistel Hebräer 2,14-18 EU blickt bereits
auf Karfreitag, das Evangelium Lukas 2,22-24 EU schließt
unmittelbar an das Weihnachtsevangelium an.
Liturgie
Katholisch
Bereits Gregor d. Gr. kannte die drei Messen des
Weihnachtsfestes. Die Titelkirchen Roms kannten dagegen anfangs
nur zwei Messen, die Vigil und den Festgottesdienst am folgenden
Tag. Bereits das Capitulare lectionum aus der Mitte des 6. Jh.
enthält bei allen drei Weihnachtsmessen die klassische Abfolge
der Lesungen aus dem AT (Jesaja), aus den Paulusbriefen und das
Evangelium. Diese Ordnung war bis weit ins Mittelalter üblich,
örtlich bis ins 18. Jh.
Die älteste ist die Festmesse des Tages (in die), die bereits
von Ambrosius und von Papst Coelestin I. Anfang des 5.
Jahrhunderts erwähnt wird. Stationskirche war St. Peter im
Vatikan.
Die zweite Messe war eine wohl aus Jerusalem übernommene
Mitternachtsmesse (in nocte, volkstümlich „Christmette“ genannt,
da sie mit der Mette zusammenfiel), deren Stationskirche die
Marienbasilika auf dem Esquilin war (S. Maria Maggiore). Dorthin
wurde im 11. Jh. auch die Tagesmesse verlegt; denn sie
beherbergte in der Krypta eine Nachbildung der Geburtsgrotte.
Als dritte selbständige Messe kam im Morgengrauen (mane in
aurora, volkstümlich auf Grund des Evangeliums von der Anbetung
der Hirten „Hirtenamt“ genannt) in der byzantinischen Hofkirche
Santa Anastasia auf dem Palatin hinzu. Dort wurde am 25.
Dezember das Fest ihrer Titelheiligen Anastasia von Sirmia
gefeiert.
Diese päpstliche Stationsliturgie führte zu der einmaligen und
einmalig bleibenden Situation, dass drei verschiedene Messen mit
unterschiedlichen Messformularen am gleichen Tag gefeiert
wurden. Die Textausstattung stammt von Papst Gregor d. Gr. So
kam die Weihnachtsliturgie als Ganzes in den
gallisch-fränkischen Norden. Karl d. Gr. hat sie dann für
verbindlich erklärt. Im 11. Jh. tauchen in Frankreich erstmalig
szenische Darstellungen im Gottesdienst auf, sogenannte
Weihnachtsspiele. Franz von Assisi stellte Greccio in Umbrien
eine Krippe mit einem lebenden Ochsen und Esel auf, verlas in
der Messe das Evangelium und hielt eine Predigt. Kaiser Joseph
II. verbot die Krippenspiele im Gottesdienst, die deshalb in den
häuslichen Bereich wechselten und zum Brauchtum wurden.
An dieser Messliturgie hat die Liturgiereform Paul VI. im
Wesentlichen festgehalten. So steht noch heute die etwas
unromantische klare dogmatische Aussage zur Gottheit Christi aus
der Entstehungszeit im Vordergrund. Die Weihnachtszeit beginnt
heute mit der ersten Vesper von Christi Geburt am späten
Nachmittag des 24. Dezembers bis zum Fest der Taufe Christi am
ersten Sonntag nach Epiphanie (Lit.: Sekretariat der
Bischofskonferenz 1996, S. 122 ff.). Es gibt auch immer noch die
drei Messformulare, wenn auch heute erlaubt ist, die Texte
auszutauschen.
Die Lesungstexte schreiten in den Messen fort. In der
Vorabendmesse am 24. Dezember steht noch die Erwartung im
Vordergrund (Jesaja 62, 1-5 EU; Apostelgeschichte 13,16-26 EU
und Matthäus 1,1-25 EU). In der Christmette wird die Freude
ausgedrückt (Jesaja 9,1-6 EU; Titus 2,11-14 EU und Lukas 2,1-14
EU). Die Hirtenmesse am Morgen handelt von der Hoffnung auf
Erlösung durch die Inkarnation (Jesaja 62,11-12 EU, Titus 3,4-7
EU und Lukas 2,15-20 EU). Das Hochamt bzw. die Tagesmesse hat
Gottes Heilsplan zum Gegenstand, wie er im Prolog des
Johannesevangeliums (Johannes 1,1-18 EU) zum Ausdruck kommt;
vorausgehende Lesungen sind Jesaja 52,7-10 EU und Hebräer 1,1-6
EU. Innerhalb der Weihnachtsoktav dürfen keine anderen
Heiligenfeste gefeiert werden mit Ausnahme der drei comites
Christi, nämlich Stephanus, Johannes des Evangelisten und der
Unschuldigen Kinder.
Evangelisch
In den deutschen evangelischen Kirchen beginnt Weihnachten am
24. Dezember mit der Christvesper. Die liturgischen Texte
bestehen aus den Weissagungen des Alten Testaments (Micha 5,1-3
EU; Jesaia 9,5-6a EU und Jesaia 11,1-2 EU) und der
Geburtsgeschichte des Lukasevangeliums. Dazwischen singt die
Gemeinde Weihnachtslieder.
Um „nächtlichen Unfug“ zu unterbinden, verlegte man die
Christmette, die im Zentrum von Weihnachten steht, in den
frühesten Morgen des Festtages (oft um 4 Uhr) oder ersetzte sie
durch die vorabendliche Vesper. Die behördlichen Reserven gegen
den Gottesdienst um Mitternacht führte bis ins 18. Jahrhundert
zu Konflikten. Die Gemeinden, in denen heute der
Nachtgottesdienst abgehalten wird, nehmen wieder zu. Das
evangelische Gottesdienstbuch von 1999 hat dafür ein eigenes
Formular aufgenommen. Eine Besonderheit des evangelischen
Weihnachtsfestes, die bis in die Reformationszeit zurückreicht,
ist es, das Weihnachtsfest auch auf den zweiten (früher gar den
dritten) Weihnachtstag auszudehnen. Viele Kirchenordnungen
regelten, dass auch am zweiten Feiertag über die Geburt Jesu zu
predigen sei. Das evangelische Gottesdienstbuch bietet dafür
zwei Formulare, „Christfest I“ und „Christfest II“, die aber
austauschbar sind. Das Fest des Erzmärtyrers Stephanus kann in
einem Abendgottesdienst berücksichtigt werden.
Die Reformierten Kirchen lehnten das Weihnachtsfest durchweg ab.
Deshalb gibt es keine liturgischen Besonderheiten. Die
Entwicklung des Weihnachtsfestes wird in dieser Beziehung daher
unter dem Titel „Brauchtum“ behandelt.
Amerikanische Lutheraner, Episkopalisten und Methodisten
benutzen das Common Lectionary, welches von der Consultation on
Common Texts erstellt worden ist. Danach werden folgende Texte
verwendet: Jesaja 9 , EU, Titus 2 , EU, Lukas 2,1-20 EU oder:
Jesaja 52 , EU, Hebräer 1 , EU und Johannes 1,1-14 EU oder:
Jesaja 62 , EU, Titus 3 , EU und Lukas 2,1-20 EU.
Bei den aktiven Gemeindemitgliedern der Anglikaner bildet die
Kommunion in der mitternächtlichen Eucharistiefeier den
Höhepunkt. Während das frühere Book of Common Prayer am Heiligen
Abend nur in einigen Gebeten auf das Weihnachtsfest hinwies,
wird in den heute gebräuchlichen Agenden, wie dem Common Worship
aus dem Jahre 2000, das Weihnachtsereignis ins Zentrum der
Schriftlesung und der Gebete gerückt.
Orthodox
Die östlichen Kirchen stellten seit jeher die Theophanie (heute
Epiphanias) am 6. Januar in den Mittelpunkt. Sie ist älter als
das Weihnachtsfest. Die Predigten von Gregor von Nazianz aus den
Jahren 380 und 381 markieren den Übergang vom Gesamtfest
Epiphanie zu den beiden Festen Weihnachten mit dem Schwerpunkt
der Geburt und Epiphanie, das auf die Taufe Jesu im Jordan
bezogen wird. Antiochien übernahm kurze Zeit später das
Weihnachtsfest, wie ein Predigt des Johannes Chrysostomos aus
dem Jahre 386 belegt. Die Jerusalemer Kirche lehnte das
Weihnachtsfest bis ins 6. Jh. ab. Die armenische Kirche hat es
bis heute nicht übernommen, sondern hält am umfassenden
Festtermin vom 6. Januar fest.
Bedingt durch die Kalenderreform 1925, die nicht von allen
orthodoxen Kirchen übernommen wurde, wird das Weihnachtsfest in
den orthodoxen Kirchen, die den Gregorianischen Kalender
übernommen haben, am 25. Dezember gefeiert. Dies sind die
orthodoxen Kirchen von Konstantinopel/Ökumenisches Patriarchat,
Alexandrien, Antiochien, Rumänien, Bulgarien, Zypern,
Griechenland (mit Ausnahme der Republik Athosklöster), Albanien,
Finnland und die syrisch-orthodoxe Kirche.
Die Kirchen, in denen weiter der julianische Kalender gilt,
feiern das Geburtsfest am 7. Januar (13 Tage Versatz zum
gregorianischen Kalender): Jerusalem, Russland, Polen,
Tschechien, Slowakei, Serbien, Georgien, Ukraine, Estland,
Athosklöster Griechenlands und die koptische und äthiopische
orthodoxe Kirche.
Das vorweihnachtliche Fasten, das weniger streng ist als das
Fasten vor Ostern, beginnt bei den Orthodoxen bereits 40 Tage
vor Weihnachten. Ab dem 13. Dezember wird es strenger und
erreicht seinen Höhepunkt am 24. Dezember. Es handelt sich dabei
aber nicht um eine liturgische Adventszeit. Während dieser Zeit
wird die Liturgie Schritt für Schritt mit weihnachtlichen
Motiven angereichert. Die beiden letzten Sonntage vor
Weihnachten sind den Ahnen Christi gewidmet.
Am 24. Dezember wird eine Vesper mit 8 Schriftlesungen gehalten,
die alle auf Jesus als Erfüllung der Prophezeiungen hinweisen.
Auf die Vesper folgt die Taufliturgie des Basilius, ein Hinweis
auf den Satz: Du bist mein Sohn, heute habe ich dich gezeugt.
Die Lesungen bestehen aus Hebräer 1,1-12 EU und Lukas 2,1-20 EU.
Die große Komplet geht in den Frühgottesdienst über. Beide
zusammen gelten als „Nachtwache“, in der die Geburt Christi nach
Matthäus 1,18-25 EU verkündet wird. Zur Matutin wird der gesamte
Kanon Christus ist geboren gesungen, und die Gläubigen beten vor
der Ikone der Geburt Jesu.
Die Liturgie des Weihnachtstages befasst sich mit dem Besuch der
Magier und hebt die Herrschaft Christi hervor. Dafür wird die
Chrysostomus-Anaphora verwendet. Das Evangelium aus Matthäus
2,1-12 EU widmet sich dem Besuch der Magier.
Mit dem zweiten Weihnachtsfeiertag beginnt die sechstägige
Nachfeier mit der Synaxis der Theotokos (Zusammenschau der
Gottesgebärerin), ein Fest der Marienverehrung. (Lit.: Onasch
1958)
Brauchtum
In nördlichen Breiten schloss sich das Brauchtum des Winters an
das Weihnachtsfest an. Dies beginnt schon bei den Totenbräuchen
zu Beginn des Advents und reicht bis zu Mariä Lichtmeß. Das
Brauchtum wurde in den Weihnachtsspielen als besondere
geistliche Schauspiele verchristlicht und seit dem 16. Jh. in
den Weihnachtskrippen dargestellt. Die szenischen Darstellungen
sind erstmalig im 11. Jh. in Frankreich fassbar.
Die Geschichte der Weihnachtskrippe, die heute
selbstverständlicher Bestandteil des katholischen
Weihnachtsfestes ist, begann aber wohl schon im 13. Jahrhundert,
und die Krippe ist im Gottesdienst lokal wohl schon im 11. Jh.
verwendet worden. In der Burgkapelle Hocheppan bei Bozen wurde
um das Jahr 1200 die Geburt Jesu Christi erstmalig im
deutschsprachigen Raum dargestellt. Die Darstellung gipfelte
dann in der Weihnachtsbescherung vor Krippe und Weihnachtsbaum.
Zwei kerzengeschmückte Tannenbäume stehen seit 1621 in bei den
Augustinern in Neustift rechts und links der Krippe. Ursprung
des Tannenbaums dürfte der Paradiesbaum der weit verbreiteten
Paradiesspiele am 24. Dezember und mittelalterlicher
Mysterienspiele gewesen sein. Seit etwa 1800 war der geschmückte
Weihnachtsbaum in den gehobenen Bürgerhäusern von Zürich,
München, Wien und Siebenbürgen zu finden. Er galt zunächst als
protestantisch, bis er auch von den Katholiken allmählich
übernommen wurde. Henriette Alexandrine von Nassau-Weilburg
führte ihn 1816 in Wien ein. Der Krieg 1870/71 hat den
Weihnachtsbaum auch in Frankreich popularisiert. 1912 stand der
erste „öffentliche“ Baum in New York.
Luther hat die vorher auch in seinem Hause übliche Bescherung am
Nikolaustag (es gibt Haushaltsrechnungen aus dem Hause Luther
über Geschenke für das Gesinde und die Kinder zu St. Nikolaus
aus dem Jahre 1535 und 1536) auf den Heiligabend verlegt, da die
evangelische Kirche keine Heiligenverehrung kennt. Evangelischer
Gabenbringer war nun nicht mehr St. Nikolaus, sondern der
„Heilige Christ“, wie Luther das Jesuskind nannte. Aus dieser
Abstraktion wurde alsbald schon in Thüringen, aber auch
andernorts, das engelsgleiche Christkind, das man sich nun
weiblich vorstellte. Nach 1800 wurde aus Knecht Ruprecht,
ursprünglich der strafende Begleiter von Nikolaus und
Christkind, allmählich der Weihnachtsmann.
Die reformierten Kirchen glaubten, das Weihnachtsfest entspringe
heidnischem Brauch und sei mit der römischen Kirche verbunden
und lehnten es daher grundsätzlich ab. 1550 wurden in Genf alle
nichtbiblischen Feiern verboten, worüber es zu schweren
Konflikten kam. Calvin war da weniger streng. John Knox verbot
1560 alle kirchlichen Feste, so auch das Weihnachtsfest in
Schottland. Daran hielten sich die schottischen Presbyterianer
bis in das 20. Jahrhundert hinein. Auch die Quäker und die
Puritaner des 17. Jahrhunderts lehnten Weihnachten als Feiertag
ab und gingen wie auch sonst ihren Geschäften nach. Das
englische Weihnachtsfest umfasste in jener Zeit nicht nur den
Gottesdienst, sondern auch Gelage, Besäufnis, Tanz und
Glücksspiel. 1647 erließ das Parlament ein Verbot derartiger
Feste. Das führte zu Straßenkrawallen zwischen Befürwortern und
Gegnern des Weihnachtsfestes (Lit.: Durston/Eales 1996 S. 210
ff.). Nach 1660 wurde das Festverbot nicht mehr angewendet. Erst
in neuester Zeit haben sie sich den Verhaltensmustern ihres
kulturellen Umfeldes angepasst. Aber erst im 19. Jahrhundert
nahm das Weihnachtsfest in England einen bedeutenden Aufschwung,
möglicherweise unter dem Einfluss des Prinzen Albert aus
Deutschland, den Königin Viktoria geheiratet hatte. Auch in den
USA verlief die Entwicklung ähnlich. In Gegenden, in denen
überwiegend Presbyterianer, Mennoniten, Quäker und Puritaner
leben (Neuengland, Pennsylvanien), gab es bis ins 19.
Jahrhundert hinein kein Weihnachtsfest. Weiter im Süden
behielten die englischen Siedler seit dem 17. Jh. ihre
anglikanischen Bräuche bei. Die niederländischen Siedler hatten
ihren Sinterklaas (Nikolaus) nach New York mitgebracht. Aus ihm
wurde später der Santa Claus.
Das heute in Deutschland übliche Weihnachtsfest in der Familie
mit Weihnachtsbaum, Weihnachtsliedern, Krippe, Geschenken und
einem Gottesdienstbesuch ist eine kulturelle Ausformung der
Bürgerfamilie des 19. Jahrhunderts (Lit.: Weber-Kellermann 1975
S. 223). Die volkskundliche und germanistische Forschung, u.a.
die Gebrüder Grimm, vermuteten bis zur ersten Hälfte des 20.
Jahrhunderts, diese Tradition müsse schon sehr alt sein, und
versuchte, eine Kontinuität bis in das germanische Altertum zu
konstruieren. So wurden die Weltenesche des germanischen Mythos
oder der Mittwinterbaum als unmittelbare Vorläufer des
Weihnachtsbaumes angesehen. Dies lag auch auf der Linie des
Nationalsozialismus, der das Weihnachtsfest zum germanischen
Julfest umzufunktionieren versuchte. Das gilt auch für die im
Weihnachtsbrauchtum beteiligten Personen. So wurde Knecht
Ruprecht vom Göttervater Oðinn abgeleitet (Lit.: Riemerschmidt
1962, S. 27).
Der mit Kerzen geschmückte Lichterbaum ist heute zentrales
Element der familiären Weihnachtsfeier. Bis ins 18. Jahrhundert
hinein war er nur an Fürstenhöfen zu finden, dann in der
bürgerlichen Oberschicht. Beim Kleinbürgertum wurde er nicht
zuletzt dadurch populär, dass der der preußische König im Krieg
1870/71 gegen Frankreich Weihnachtsbäume in den Unterständen und
Lazaretten aufstellen ließ. Danach verbreitete sich der
Weihnachtsbaum weiter und erhielt die heute als
selbstverständlich empfundene zentrale Rolle im Zeremoniell der
häuslichen Familienfeier (Kinder stehen vor der verschlossenen
Tür, die Kerzen am Baum werden angezündet, die Tür wird
geöffnet, gemeinsames Singen, gemeinsames Öffnen der Geschenke,
gemeinsames Mahl).
Diese zentrale Funktion des Weihnachtsbaumes hebt ihn
prinzipiell von den früheren immergrünen Zweigen und
Buchsbäumchen ab, die ein dekoratives Element unter vielen
waren. 1930 brachten dem Deutschen Atlas der Volkskunde zufolge
der Weihnachtsmann (vorwiegend im evangelischen Norden und
Nordosten) und das Christkind (vorwiegend im Westen und Süden
und in Schlesien) die Geschenke. Die Grenze verlief zwischen
Westfalen und Friesland, Hessen und Niedersachsen und Thüringen
und zwischen Bayern und Thüringen, ging durch Südthüringen,
südliches Sachsen bis nach Schlesien. Im 18. Jahrhundert war es
noch ganz anders gewesen: Der Nikolaus hatte in katholischen
Gebieten die Geschenke gebracht, das Christkind in
evangelischen. Mit zunehmender Beliebtheit des Weihnachtsfestes
und des Christkindes wurde der Geschenktermin auch in den
katholischen Gebieten vom Nikolaustag auf Heiligabend
verschoben, das Christkind übernommen.
Die bereits im Altertum bekannten Geschenke zu Neujahr lebten
bis weit in 20. Jahrhundert hinein fort, lokal sogar bis heute,
als Geldgratifikationen an Postboten, Zeitungsfrau, Müllabfuhr
usw. Die Weihnachtsbescherung geht jedoch auf die
Nikolausbescherung zurück. Als „Lüttenweihnachten“ bezeichnet
man das Schmücken eines Weihnachtsbaumes für Tiere im Wald mit
Futter.
Das gabenbringende Christkind entstand aus dem evangelischen
Heiligen Christ Luthers. Es erscheint seit dem 17. Jahrhundert
in den weihnachtlichen Umzugsbräuchen, in denen Maria, Joseph
und das Jesuskind durch die Straßen zogen (wie heute vielerorts
die Sternsinger), begleitet von weiß gekleideten Mädchen mit
offenem Haar als Engel, angeführt von dem verschleierten
„Christkind“.
Der Weihnachtsmann ist eine synkretistische Gestalt, die aus
Nikolaus und Knecht Ruprecht und dem rauhen Percht in einer
entdämonisierten Form zusammengesetzt wurde. Eine Zeichnung von
Moritz von Schwind im Münchner Bilderbogen Nr. 5 von 1848 unter
dem Titel „Herr Winter“ gilt als frühe Darstellung, jedoch ist
sie nicht die einzige. Die Kleidung, die in Deutschland erst
nach 1945 überwiegend rot dargestellt wird, übernahm er von
Knecht Ruprecht, den wallenden Bart von gängigen
Gott-Vater-Vorstellungen. Im Brauchtum für Kleinkinder bringt er
die Geschenke, bösen Kindern jedoch eine Rute (selten geworden).
Beim Brauchtum darf nicht übersehen werden, dass das meiste
davon in einer klimatisch von kaltem, dunklem Winter
gekennzeichneten Zone entstanden ist. Die Sehnsucht nach der
Sonne, die im gewählten Zeitpunkt der Sonnenwende zum Ausdruck
kommt, ist für Menschen in den Wüstengürteln der Erde kaum
nachvollziehbar. Auf der Südhalbkugel fällt Weihnachten gar in
den Sommer. Das muss zwangsläufig zu anderen Bräuchen führen.
Der immergrüne Tannenbaum hat dort keine einschlägige
Symbolkraft.
Feiertagsregelungen
Die Weihnachtsfeiertage sind gesetzliche Feiertage im Dezember
oder Januar. Je nach Land ist die Festlegung der Anzahl der
Feiertage unterschiedlich. Die deutsche Festlegung auf die
beiden Feiertage am 25. und 26. Dezember geht historisch auf
Martin Luther zurück. Als dritter Weihnachtsfeiertag kann
Epiphanias bzw. das Heilig-Drei-König-Fest am 6. Januar dazu
gelten; auch dieser ist in einigen deutschen Bundesländern
gesetzlicher Feiertag.
Kritik
In der pastoralen Literatur wird auch Kritik an dem
Weihnachtsfest in heutiger Gestalt geübt. Sie lässt sich im
Wesentlichen auf die drei Schlagworte Profanisierung,
Kommerzialisierung sowie Hektik und Stress konzentrieren (Lit.:
Roll S. 463 ff.; Weber-Kellermann 1975 S. 223).
Unter dem Schlagwort Profanisierung wird vor allem vorgetragen,
dass das Weihnachtsfest entchristlicht und zu einem Familienfest
für jedermann geworden sei. Der theologische Gehalt gehe dabei
über weite Strecken verloren. Stattdessen nähmen Kitsch und
Sentimentalität zu. Demgegenüber ist zu betonen, dass das
Weihnachtsfest seit jeher zweigleisig gewesen ist, einmal
kirchlich-sakral, zum anderen als Volksfest mit Gelagen und
Besäufnissen, was immer wieder zum Einschreiten der Obrigkeit
geführt hat. Die Ausbildung als Familienfest, im Wesentlichen
seit dem 19. Jahrhundert verstärkt zu beobachten, zeigt, dass es
jedenfalls in den nördlichen Breiten ein Bedürfnis gibt, ein
Fest zur Belebung und Stärkung von Binnenbeziehungen, besonders
in der Familie, zu feiern. Dass sich ein solches Fest an ein
kirchliches Fest anschließt, profaniert das kirchliche Fest
selbst nicht zwangsläufig. Allerdings geht mit der Reduzierung
auf Familie auch eine Ausgrenzung randständiger Gruppen einher.
Deshalb betreiben viele Organisationen eine Ergänzung durch
Weihnachtsfeiern für Alleinstehende und Nichtsesshafte.
Unter dem Schlagwort Kommerzialisierung wird die weit in die
Adventszeit zurückreichende Ankurbelung des Umsatzes mit
Weihnachtsmotiven in den Kaufhäusern und der Werbung beklagt.
Weihnachten ist in vielen Ländern das Konsumereignis des Jahres
und viele Branchen erwirtschaften im November und Dezember über
ein Fünftel des Jahresumsatzes:
• Spielwaren: 32,1 %.
• Uhren und Schmuck: 28,7 %
• Bücher, Zeitschriften und Zeitungen: 23 %
• Warenhäuser: 22,3 %
• Antiquitäten: 22,2 %
• Textilien: 21,5 %
• Unterhaltungselektronik und Haushaltsgeräte: 21,2 %
Nur wird dabei der wesentliche Unterschied zur Werbung im
übrigen Jahr übersehen: Normalerweise zielt die Werbung darauf
ab, dass der Beworbene sich eigene Wünsche erfüllt. Im
Weihnachtsgeschäft geht es darum, Geschenke für die nahestehenden Mitmenschen zu kaufen. Das Geschenk, die Gabe ist
seit ältester Zeit der Menschheit ein wesentliches Mittel zur
Stabilisierung von Beziehungen. Überall auf der Welt gibt es
irgendwelche Feste, die einen Gabenaustausch zum Inhalt haben.
Unter dem Schlagwort Hektik wird kritisiert, dass der Mensch in
der Adventszeit nicht zur Ruhe komme, weil er vollständig mit
den Festvorbereitungen und dem Suchen nach dem passenden
Geschenk ausgelastet sei.
Quelle: Wikipedia.de
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