|
Nikolaus von Myra (* zwischen 270 und 286 in Patara; † 6.
Dezember 326, 345 oder 351), in der katholischen Kirche auch
Nikolaus von Bari, in der orthodoxen Kirche Nikolaus der
Wundertäter genannt, wirkte in der ersten Hälfte des 4.
Jahrhunderts als Bischof von Myra in Kleinasien (heute Türkei).
Andere Namen
In vielen anderen Ländern ist Nikolaus auch unter folgenden
Namen bekannt: Klass, Sint Nicolaas, Sveti Nikolaj(Slowenien),
Sveti Nikola (Kroatien und Serbien), Sinterklaas (Niederlande),
Święty Mikołaj (Polen), Nikolo (Österreich), Pai Natal
(Portugal), Samichlaus (Schweiz) oder Kleeschen (Luxemburg).
Father Christmas (Irland und England), Saint Nicolas
(Frankreich), Noel Baba (Türkei), Santa Claus (Nord-Amerika),
Papai Noel (Brasilien). Sinta haben ihren Ursprung im heiligen
Nikolaus, werden aber zu Weihnachten gefeiert.
Oft in der Form des lateinischen Genitivs Nicolai ist Nikolaus
einer der häufigsten Kirchenpatrone vor allem in
Norddeutschland. Durch sein Patronat der Seefahrer und Händler
wurde er von der Deutschen Hanse und vielen darin organisierten
Städten als Schutzheiliger gewählt. Der soziale Status und
politische Rang der handelnden Seefahrer und ihre
vorreformatorischen Stiftungen in die Nicolaikirchen sowie die
Angliederung ihrer Bruderschaften und caritativen Hospitäler an
diese haben dazu geführt, dass diese Kirchen oft zu bürgerlichen
Hauptkirchen der Städte wurden und auch in den Ländern der
Reformation dann den Heiligentitulus behielten.
Historische
Person
Über das Leben des historischen Nikolaus gibt es nur wenige
historisch belegte Tatsachen. Myra in Lykien, heute Demre, ist
ein kleiner Ort ca. 100 km südwestlich von Antalya in der
heutigen Türkei. Im 4. Jahrhundert war es ein Bischofssitz.
Quellen über Nikolaus' Leben stammen z. B. von Andreas von Kreta
(um 700) und von einem Mönch Johannes aus dem Studitenkloster
(gegründet im 5. Jahrhundert) in Konstantinopel.
Nach verschiedenen Überlieferungen ist Nikolaus zwischen 270 und
286 in Patara geboren, einer Stadt in Lykien in Kleinasien. Er
sei mit 19 Jahren von seinem Onkel, ebenfalls mit Namen Nikolaus
und ebenfalls Bischof von Myra, zum Priester geweiht worden und
dann Abt des Klosters Sion in der Nähe von Myra gewesen. In der
Christenverfolgung 310 soll er gefangen genommen und gefoltert
worden sein.
Als Sohn reicher Eltern soll er sein ererbtes Vermögen unter die
Armen verteilt haben (was auch von den besser bezeugten
Bischöfen des 4. Jahrhunderts Ambrosius von Mailand und Basilius
von Caesarea berichtet wird und dort als historische Tatsache
gilt). Im Fall von Nikolaus ranken sich darum verschiedene
Legenden.
Andreas von Kreta und Mönch Johannes vom Studitenkloster
berichten, Nikolaus habe am Konzil von Nizäa teilgenommen und
dort seinen Widersacher Arius geohrfeigt. Deshalb sei er zuerst
verhaftet, gegen Ende des Konzils aber rehabilitiert worden.
Nikolaus steht nicht in der Unterzeichner-Liste von Nizäa, die
allerdings unvollständig überliefert ist. Andererseits gehört
Bischof Theognis von Nizäa, den Nikolaus laut Andreas beim
Konzil von der katholischen Sichtweise überzeugt haben soll, zu
den historisch belegten Unterzeichnern.
1087 raubten italienische Piraten oder Kaufleute Nikolaus'
Gebeine und brachten sie als Reliquien nach Bari, wo sein Fest
am Tag der Ankunft ihrer Schiffe, dem 9. Mai, gefeiert wird. Von
Bari fordert sie die türkische Nikolaus-Stiftung bis heute
zurück.
Legenden
Nikolaus' Wirken hat zu vielfältigen Legendenbildungen
beigetragen, die im Laufe der Jahrhunderte dazu führten, dass er
als einer der wichtigsten Heiligen angesehen wurde. Die Legenden
basieren allerdings nicht nur auf (vorgeblichen) Taten des
Bischofs von Myra, sondern auch auf denen eines gleichnamigen
Abtes des Klosters Sion bei Myra, der später Bischof in Pinara
war und 564 starb.
Stratelatenwunder
Nikolaus lernt drei (ost-)römische Feldherren (griech.
στρατηλάτης/stratelates = Feldherr) kennen, die er zu sich nach
Myra einlädt. Diese werden Zeugen, wie der Bischof drei
unschuldig zum Tod Verurteilte vor der Hinrichtung bewahrt,
indem er dem Scharfrichter das Schwert aus der Hand reißt.
Zurück in Byzanz werden die drei Feldherren Opfer einer Intrige
und werden selbst zum Tod verurteilt. Im Kerker beten sie zum
heiligen Nikolaus, der daraufhin dem Kaiser und dem Intriganten
erscheint und im Falle der Hinrichtung erhebliche Konsequenzen
ankündigt. Zutiefst erschrocken veranlasst der Kaiser die
unverzügliche Freilassung der Feldherren.
Ausstattung der drei Jungfrauen
Ein verarmter Mann beabsichtigt, seine drei Töchter zu
Prostituierten zu machen, weil er sie mangels Mitgift nicht
standesgemäß verheiraten kann. Nikolaus, noch nicht Bischof und
gerade durch Erbe mit einem größeren Vermögen ausgestattet,
erfährt von der Notlage und wirft in drei aufeinander folgenden
Nächten je einen großen Goldklumpen durch das Fenster des
Zimmers der drei Jungfrauen. In der dritten Nacht gelingt es dem
Vater, ihn zu entdecken, ihn nach seinem Namen zu fragen und ihm
dafür zu danken, dass nun die Mitgift für jede der Töchter
gesichert ist. Aus dieser Legende entspringt die häufige
ikonografische Darstellung mit drei goldenen Kugeln oder Äpfeln.
Stillung des Seesturms
In Seenot geratene Schiffsleute rufen in ihrer gefährlichen Lage
den heiligen Nikolaus an. In der Tat erscheint ihnen ein mit
Wunderkräften ausgestatteter Mann und übernimmt die Navigation,
setzt die Segel richtig und bringt sogar den Sturm zum Abflauen.
Daraufhin verschwindet der Mann wieder. Als die Seeleute in der
Kirche von Myra zum Dank für ihre Rettung beten, erkennen sie
den Heiligen und danken ihm.
Kornvermehrung
Während einer großen Hungersnot erfährt der Bischof von Myra,
dass ein Schiff im Hafen vor Anker liegt, das Getreide für den
Kaiser in Byzanz geladen hat. Er bittet daher die Seeleute,
einen Teil des Kornes auszuladen, um in der Not zu helfen. Diese
weisen zuerst die Bitte zurück, da das Korn genau abgewogen beim
Kaiser abgeliefert werden müsse. Erst als Nikolaus ihnen
verspricht, dass sie für ihr Entgegenkommen keinen Schaden
nehmen würden, stimmen die Seeleute zu. Als sie später in der
Hauptstadt ankommen, stellen sie verwundert fest, dass das
Gewicht der Ladung sich trotz der entnommenen Menge nicht
verändert hat. Das in Myra entnommene Korn aber reicht volle
zwei Jahre und kann sogar noch zur Aussaat verwendet werden.
Heimführung eines verschleppten Kindes
Ein Mann, der den heiligen Nikolaus um den Segen bitten will,
dass ihm endlich ein Kind geboren wird, trifft den Bischof nicht
mehr lebend an, sondern kommt gerade noch zur Bestattung des
Bischofs. Er nimmt daher ein Stück des Leinens, auf dem Nikolaus
liegt, als Reliquie mit. Am 6. Dezember des folgenden Jahres
wird dem Ehepaar tatsächlich ein Sohn geboren. Am siebenten
Geburtstag dieses Kindes jedoch wird es von Arabern nach
Babylonien entführt. Wiederum ein Jahr später, wieder genau am
6. Dezember, wird das Kind, das seither als Diener beim
Herrscher arbeiten muss, von einem Wirbelwind erfasst und genau
vor der Nikolauskirche abgesetzt, in der die Eltern für die
Rückkehr des Jungen beten.
Wannen- und Säuglingswunder
Nikolaus ist als Säugling bereits so fromm, dass er an den
Fastentagen der Woche, mittwochs und freitags, die Brust der
Mutter nur einmal nimmt. Als er das erste Mal gebadet werden
soll, steht er bereits aufrecht ohne fremde Hilfe in der Wanne.
Bekehrung eines Juden durch das Nikolausbild
Ein sehr reicher Jude, der von den Wundertaten des Heiligen
gehört hat, lässt sich ein Nikolausbild anfertigen und befiehlt
diesem, während seiner Abwesenheit über seine Schätze zu wachen.
Trotzdem wird seine Habe von Dieben gestohlen. Der Jude,
erbittert über den Raub, macht dem Bildnis schwere Vorwürfe und
straft es mit Stock- und Peitschenhieben. Der heilige Nikolaus
erscheint daraufhin den Dieben und kündigt ihnen einen Tod am
Galgen an, wenn sie die Habe nicht zurückbrächten. Erschrocken
bringen die Diebe das gestohlene Gut zurück und berichten dem
Juden von ihrer Erscheinung. Tief beeindruckt lässt sich der
Jude taufen.
Bekämpfung der Diana
Da in der Umgebung von Myra viele noch immer an die alten
römischen Götter glauben, lässt Nikolaus den der Diana geweihten
Baum umschlagen. Erbost über die Zerstörung ihres Heiligtums
bereitet die Göttin ein gefährliches Öl, das sie in Gestalt
einer frommen Frau Seeleuten übergibt, die nach Myra pilgern
wollen. Diese sollen bei ihrer Ankunft die Wände der Kirche mit
diesem Öl bestreichen. Nicht wissend, dass dieses Öl auf Wasser
und Steinen brennt, nehmen die Pilger das Öl mit. Als sie per
Schiff nach Myra reisen, kreuzt ein kleines Boot mit Nikolaus an
Bord ihren Kurs. Der Heilige warnt die Pilger und fordert sie
auf, das Öl ins Meer zu gießen. Sie gehorchen, und plötzlich
steht die gesamte Wasseroberfläche in Flammen. Als die Pilger in
Myra ankommen, erkennen sie den Mann in dem Boot wieder und
danken ihm für die Errettung vor den „Listen des Teufels“.
Rettung des ertrunkenen Sohnes
Ein Vater pilgert mit seinem Sohn nach Myra um der Kirche einen
wertvollen Kelch zu stiften. Bei genauer Überlegung erscheint
ihm der Kelch zu wertvoll, und er lässt einen billigeren Kelch
anfertigen. Während der Überfahrt nach Myra bittet der Vater den
Sohn, mit dem ersten Kelch etwas Wasser aus dem Meer zu
schöpfen. Bei diesem Versuch fällt der Sohn über Bord und
verschwindet in den Wellen. Als der Vater schließlich -
mittlerweile in Myra angekommen - den zweiten Kelch auf den
Altar der Nikolauskirche stellen will, fällt dieser immer wieder
herunter. Völlig überraschend steht plötzlich sein Sohn mit dem
ersten Kelch in der Kirche und erzählt, dass der heilige
Nikolaus ihn gerettet habe. Daraufhin opfert der Vater beide
Kelche.
Bestrafung und Begnadigung eines Betrügers
Ein Christ leiht bei einem Juden Geld und verspricht, es
rechtzeitig zurückzuzahlen. Dieser Zahlungsverpflichtung kommt
er allerdings nicht nach, und die beiden landen vor Gericht. Um
einen Meineid zu umgehen, lässt sich der Christ einen Trick
einfallen: Er füllt das geliehene Geld in einen hohlen Stock.
Während des Schwurs bittet er den Juden, den Stock so lange zu
halten. Er schwört daraufhin, dass er das Geld bereits
zurückgegeben habe. Der Jude gibt den Stab zurück und bleibt
geprellt. Als die beiden nach Hause gehen, wird der Christ von
einem vorbeifahrenden Wagen überfahren und stirbt. Bei dem
Unfall zerbricht der Stock, und der Jude erkennt die Arglist.
Die umstehenden Leute fordern den Juden auf, sich nun das Geld
zu nehmen, da der Christ seine gerechte Strafe erhalten habe.
Voll Mitleid entgegnet der Jude, dass er das Geld nur nehmen
werde, wenn der heilige Nikolaus den Christen wieder zum Leben
erwecke. Tatsächlich steht daraufhin der Christ wieder lebendig
auf, und der Jude lässt sich taufen.
Erweckung eines Jungen
Ein Mann feiert jedes Jahr dem heiligen Nikolaus zu Ehren ein
Fest. An einem Abend bittet der Teufel, verkleidet als Pilger,
an der Tür um ein Almosen. Als der Sohn das Almosen geben will,
steht der Pilger nicht mehr an der Tür. Der Sohn eilt ihm bis zu
einem Kreuzweg nach. Daraufhin zeigt der Pilger sein wahres
Gesicht und erwürgt den Jungen. Als der Vater von der Tat
erfährt, beklagt er sich bei dem Heiligen und fragt, ob das der
Lohn für seine Verehrung sei. Jedoch, noch während der Anklage,
steht sein Sohn wieder auf und ist gesund.
Auferweckung der getöteten Scholaren
Drei Scholaren werden in Myra von einem Gastwirt, bei dem sie
auf dem Weg zu ihrem Studienort Athen logieren, aus Habgier
getötet. Der Mörder zerstückelt die Leichen und pökelt die Teile
in einem Salzfass ein. Durch einen Engel erfährt der heilige
Nikolaus von der Untat, geht zu dem Gastwirt und sagt ihm die
Tat auf den Kopf zu. Anschließend erweckt der Heilige durch
seine Fürbitte bei Gott die Scholaren wieder zum Leben.
Quellenwunder am Grab
Bei der Grablegung des heiligen Nikolaus soll am Kopfende des
Sarkophags eine Quelle mit Salböl und am Fußende eine Quelle mit
Wasser entsprungen sein.
Verehrung
Nikolaus ist seit jeher einer der populärsten christlichen
Heiligen. In der Russisch-Orthodoxen Kirche wird Nikolaus neben
Christus und Maria mit Kind die dritte große Ikone auf der
Ikonostase der Kirchen gewidmet. Auch bei den Serben wird der (Nikoljdan)
Nikolaustag am 19. Dezember von den meisten Gläubigen als
Heiligenfeier gefeiert und zählt zu den meist gefeierten
Heiligenfesten nach den kirchlichen Hochfesten. (Andere
orthodoxe Kirchen zeigen dort meist Johannes den Täufer.)
In der orthodoxen Kirche ist seine Verehrung seit dem 6.
Jahrhundert belegt, als Justinian I. in Konstantinopel eine ihm
geweihte Kirche errichtete.
Nach Deutschland kam der Nikolauskult im 10. Jahrhundert,
vermutlich durch Theophanu, die byzantinische Frau Ottos des
Zweiten. Seine Ausbreitung erfuhr er mit der Entführung der
Gebeine des Heiligen nach Bari im 11.Jahrhundert, die europaweit
wahrgenommen wurde und der Welle der Stadtgründungen durch
Kaufleute im 12. und 13.Jahrhundert, die oft um eine
genossenschaftliche Nikolaikirche herum erfolgten.
Nikolaus ist insbesondere der Schutzpatron der Seefahrer,
reisenden Händler, Ministranten und Kinder. Die zahlreichen
Legenden führten dazu, dass der heilige Nikolaus von vielen
weiteren Gruppen als Schutzheiliger auserwählt wurde, so
Studenten, Kaufleuten, Getreidehändlern, Pfandleihern, Juristen,
Apothekern, Schneidern, Küfern, Fuhrleuten, Salzsiedern,
Gefängniswärtern, Dreschern. Selbst die Metzger machten den
Heiligen - wegen der Scholaren im Pökelfass - zu ihrem Patron.
Als Nationalheiliger wird Nikolaus vor allem in Russland,
Kroatien, Serbien, in Süditalien (Bari) und in Lothringen
verehrt.
Kirchen mit Nikolaus-Patrozinium (Nikolaikirche, St. Nikolai
oder St. Nicolai) finden sich meist bei ursprünglich von
Seefahrern gebauten Kirchen in fast allen deutschen, baltischen
und russischen Küsten- und Hansestädten, aber auch im Binnenland
bei Gotteshäusern, die in ehemaligen Kaufmannsvierteln stehen
(z. B. in Leipzig).
Brauchtum
Der Festtag des heiligen Nikolaus, der 6. Dezember (in der
orthodoxen Kirche nach dem Julianischen Kalender am 19.
Dezember), ist ein kirchlicher Feiertag mit vielen Bräuchen (z.
B. Klobesabend). Es ist vor allem ein Tag der Kinder, da
Nikolaus seit Jahrhunderten als Wohltäter der Kinder verehrt
wird; das Brauchtum zum Nikolaustag ist aber regional äußerst
unterschiedlich ausgeprägt. Manche der Bräuche hängen
ursprünglich mit der Perikopenordnung der Kirche zusammen. Am 6.
Dezember war verbindlich die Stelle Matthäus 25,14-23 LUT
vorgesehen. Dort wurde das Gleichnis der Talente erzählt: Drei
Knechten wurde jeweils ein Geldstück, ein Talent, anvertraut.
Nach der Rückkehr des Herrn musste jeder Rechenschaft ablegen,
was er mit dem Geld gemacht hatte. Der bekannte Brauch der
Befragung der Kinder durch den Nikolaus, ob sie denn auch brav
und fromm gewesen seien, geht auf diese Praxis zurück.
Der Einlegebrauch, d. h. das nächtliche Füllen der Schuhe o. Ä.,
basiert auf der Legende von den drei Jungfrauen, die nachts vom
heiligen Nikolaus beschenkt wurden. Mit den meisten anderen
Bräuchen verhält es sich ähnlich.
Ursprünglich war der Nikolaustag auch der Tag der
Weihnachtsbescherung. In einigen Ländern ist er dies auch heute
noch. Erst wegen der Haltung der Reformatoren gegen die
Heiligenverehrung wurde die Bescherung in vielen Ländern auf den
Weihnachtstag verlegt.
In mittelalterlichen Klosterschulen gab es den Brauch, dass die
Kinder sich am Nikolaustag einen „Kinderbischof“ aus ihren
Reihen wählen durften. Nach dem Prinzip der verkehrten Welt
predigte er den Erwachsenen und durfte ihr Verhalten tadeln. An
einigen Orten blieb er bis zum 28. Dezember, dem Tag der
unschuldigen Kinder, im „Amt“.
Oft werden Kinder angehalten, ihre Geschenkwünsche auf einem
Wunschzettel festzuhalten. Viele Kinder schicken in der
Vorweihnachtszeit Briefe an St. Nikolaus (oder auch an das
Christkind). Diese werden in extra eingerichteten
Weihnachtspostämtern gesammelt und zumeist auch beantwortet.
Schiffchensetzen nennt man den seit dem 15. Jahrhundert
bekannten Brauch, bei welchem aus Papier oder anderem Material
Nikolausschiffe gebastelt werden, in die der Heilige seine Gaben
legen soll. Hintergrund für diesen Brauch dürfte das
Schifferpatronat sein. Auch heute noch findet sich auf vielen
Handelsschiffen ein Bildnis des St. Nikolaus. Das
Nikolausschiffchen wurde später durch Stiefel, Schuh oder
Strumpf abgelöst, zu denen später noch der Gabenteller hinzukam.
Auch heute noch stellen Kinder am Vorabend des Nikolaustages
Schuhe, Stiefel oder Teller vor die Tür, damit der Heilige sie
auf seinem Weg durch die Nacht mit Nüssen, Mandarinen,
Schokolade, Lebkuchen usw. füllen kann.
Indessen bringt der Nikolaus nicht nur Geschenke: In vielen
Erzählvarianten beschenkt und lobt er die guten Kinder, während
er die bösen tadelt und durch Schläge mit einer Rute bestraft.
Welche Kinder im letzten Jahr gut und welche böse waren, liest
er in seinem „goldenen Buch“. Viele Eltern laden ehrenamtliche
oder bezahlte Nikolause ein, den Kindern zu Hause eine derartige
„Predigt“ zu halten, die jedoch stets mit einer Bescherung
endet.
Als Furcht einflößenden Gehilfen bekam der heilige Nikolaus in
verschiedenen Ländern Begleiter zur Seite gestellt, in
Deutschland Knecht Ruprecht, in Frankreich Père Fouettard, in
der Schweiz Schmutzli, in Österreich, Bayern und Kroatien
Krampus, in Luxemburg den Housecker, in den Niederlanden den
Zwarte Piet, der einen gezähmten Teufel darstellen soll.
Teilweise fand auch eine Aufgabenübertragung statt, so ist in
dem Gedicht von Theodor Storm der Begleiter der Gabenbringer.
Im Berchtesgadener Land sind noch derbere und wildere
Erscheinungsformen als Volksbrauch geläufig, die Perchten oder
die Buttnmandl mit ihrem Buttnmandllauf, die mit Stroh
verkleidet sind. Sie scheinen vorchristliche Wurzeln zu haben,
da sie nicht nur um die Nikolauszeit umherziehen. Vielmehr
treiben sie über mehrere Wochen in den frühwinterlichen
Rauhnächten ihr Unwesen, weswegen es sich um die Vermischung
heidnischer Winterbräuche mit dem Christentum handeln könnte.
Im südlichen Oberallgäu findet an den Abenden vor dem
Nikolaustag (genauer: 4.–6. Dezember) ein ähnliches Brauchtum
statt, das Klausentreiben.
In Freiburg im Üechtland findet jedes Jahr am 1. Samstag des
Dezembers das traditionelle St.-Nikolaus-Fest statt. Der heilige
Nikolaus ist der Schutzpatron dieser Stadt, und auch die
Kathedrale ist nach ihm benannt.
Darstellung
Der heilige Nikolaus wird traditionell im Gewand eines
katholischen Bischofs dargestellt. Dass die Vermischung mit der
Figur des Weihnachtsmanns und die Darstellung mit roter Kutte
und weißem Pelzkragen 1931 aus einer Coca-Cola-Werbekampagne in
den USA entstand, ist eine zwar gern kolportierte, aber nicht
ganz zutreffende Urban Legend. Die Farbgebung rot-weiß (die
Hausfarben von Coca-Cola) war schon länger in vielen Gebieten
üblich, allerdings nicht die Kleidungsstücke. Die traditionelle
Nikolausfigur trägt Mitra, Hirtenstab und einen langen
Bischofsmantel, während der Weihnachtsmann eine rote
Zipfelmütze, eine rote Hose und eine rote Jacke trägt. Dies war
allerdings schon vor dem Coca-Cola-Werbefeldzug überwiegend die
Kleidung des Weihnachtsmannes.
Quelle: Wikipedia.de
|