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Motivation (lateinisch motus = die Bewegung) bezeichnet
in den Humanwissenschaften sowie in der Ethologie einen Zustand
des Organismus, der die Richtung und die Energetisierung des
aktuellen Verhaltens beeinflusst. Mit der Richtung des
Verhaltens ist insbesondere die Ausrichtung auf Ziele gemeint.
Energetisierung bezeichnet die psychischen Kräfte, welche das
Verhalten antreiben. Ein Synonym von „Motivation“ ist
„Verhaltensbereitschaft“.
Motive
Ein Motiv bezeichnet in der Psychologie eine relativ stabile
Persönlichkeitseigenschaft, die durch eine Vorliebe für
bestimmte Arten von Zielen zum Ausdruck kommt. Synonym wird oft
der Begriff Bedürfnis (engl. need) verwendet. Primäre Motive wie
das Nahrungs- und das Kältevermeidungsmotiv, die auf
physiologischen Vorgängen beruhen, werden von sekundären Motiven
unterschieden, die stärker auf psychologische Prozesse
zurückgehen.
Die empirisch am besten erforschten sekundären Motive sind das
Leistungsmotiv, das Machtmotiv und das Anschlussmotiv. Das
Leistungsmotiv ist definiert als Bedürfnis, sich mit einem
Gütemaßstab auseinanderzusetzen, das Machtmotiv als ein
Bedürfnis, Einfluss auf andere Menschen auszuüben, und das
Anschlussmotiv als ein Bedürfnis nach positiven sozialen
Beziehungen. Sekundäre Motive werden traditionell mit dem
Thematischen Auffassungstest bzw. dem Thematischen
Apperzeptionstest (TAT) gemessen.
Nach traditioneller Auffassung wird das Motiv einer Person durch
thematisch entsprechende Anreize in der Umwelt „angeregt“. Das
Leistungsmotiv wird etwa dann angeregt, wenn die Person die
Aussicht hat, sich mit einem Gütemaßstab messen zu können. Dies
führt zu einer Motivation, den Anreiz aufzusuchen oder zu
meiden.
Empirische Psychologie
Die empirische Psychologie erklärt Unterschiede in der Wahl von
Zielen, in der Ausdauer und in der Anstrengungsbereitschaft
durch das Zusammenspiel von Persönlichkeitseigenschaften,
aktuellen Zuständen des Organismus und Situationsmerkmalen. Als
Methoden kommen vor allem psychologische Testverfahren und
Experimente zum Einsatz.
Nach lerntheoretischer Auffassung ist die Motivation abhängig
vom Bedürfniszustand des Organismus in Verbindung mit
entsprechenden inneren (intraorganismischen) oder äußeren
Reizen. Die äußeren Reize können soziale (interorganismische;
beim Menschen: interpersonelle) Signale, aber auch Merkmale
unbelebter Objekte sein.
Zwei Gruppen von Motivationsmodellen
Inhaltsmodelle können von Prozessmodellen unterschieden werden.
Während Inhaltsmodelle menschliches Verhalten allein aufgrund
bestimmter psychischer Inhalte erklären, führen Prozessmodelle
das Verhalten auch auf bestimmte physische Vorgänge zurück.
Inhaltsmodelle
Diese Modelle beschäftigen sich mit Inhalt, Art und Wirkung von
Motiven. Eine Taxonomie von Motiven wird geboten und bestimmt,
nach welchen Gesetzmäßigkeiten welche Motive
verhaltensbestimmend werden.
* Humanistische Psychologie:
o Bedürfnispyramide von Abraham H. Maslow
o Die ERG-Theorie von Clayton P. Alderfer (Existence -
Relatedness - Growth)
* Allgemeine Psychologie:
o Die Leistungsmotivationstheorie/Motivtheorie von David
McClelland
o Das Modell von Steven Reiss
* Arbeitspsychologie:
o Die Theorie X und Theorie Y von Douglas McGregor
o Die Zwei-Faktoren-Theorie von Frederick Herzberg
o Die Theorie von Mausner & Snyderman
Prozessmodelle
Diese Modelle versuchen zu erklären, wie Motivation formal und
losgelöst von Bedürfnisinhalten entsteht und auf das Verhalten
wirkt. Das Ziel des Verhaltens ist unbestimmt, aber das
Individuum will den subjektiv erwarteten Nutzen maximieren.
* Gleichgewichtstheorien (z.B. das Zürcher Modell von Norbert
Bischof)
* Lyman W. Porter und Edward E. Lawler
* Das Rubikonmodell der Handlungsphasen von Heinz Heckhausen und
Peter M. Gollwitzer
* Das Erweiterte Kognitive Motivationsmodell von Heinz
Heckhausen
* Die Equity-Theorie von John Stacey Adams (1965)
* Die Valenz-Instrumentalitäts-Erwartungs-Theorie von Victor
Harold Vroom
Einzelne Modelle im Detail
Rubikon-Modell
Ein einfaches eindimensionales Motivationsmodell bezeichnet eine
Schwellenmotivation beim Überschreiten einer imaginären Grenze.
Diese Rubikon-Motivationsstrategie erhielt ihren Namen vom
Angriff Caesars gegen Rom zu Zeiten des Bürgerkrieges. Als er
mit seinem Heer den Fluss Rubikon überschritt (Alea iacta est!),
gab es für sie kein Zurück mehr. Das war allen Soldaten klar und
ging als „Motivationskonzept“ in die Psychologie ein. Das
entsprechende Rubikon-Modell der Handlungsphasen von Heinz
Heckhausen teilt den Handlungsstrom in folgende vier Phasen ein:
1. Abwägen
2. Planen
3. Handeln und
4. Bewerten
Besonderes Gewicht liegt auf der Unterscheidung der Phasen des
Abwägens und des Planens, die durch die Intentionsbildung
getrennt sind. Während vor der Intentionsbildung Informationen
über Erwartung und Wert von Handlungsergebnissen und
Handlungsfolgen unvoreingenommen berücksichtigt werden, ist die
Informationsverarbeitung nach der Intentionsbildung parteiisch
auf die Erhaltung und Realisierung der Intention ausgerichtet.
Dies führt Heckhausen auf volitionale Prozesse zurück.
Motivklassifikation von Maslow
Bedürfnispyramide nach Maslow
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physiologische Grundbedürfnisse |
Die Maslowsche
Bedürfnispyramide beruht auf einem vom US-amerikanischen
Psychologen Abraham Maslow entwickelten Modell, um Motivationen
von Menschen zu beschreiben. Die menschlichen Bedürfnisse bilden
die „Stufen“ der Pyramide und bauen dieser eindimensionalen
Theorie gemäß aufeinander auf. Der Mensch versucht demnach
zuerst, die Bedürfnisse der niedrigen Stufen zu befriedigen,
bevor die nächsten Stufen Bedeutung erlangen.
Obwohl Maslows Klassifikation empirisch kaum belegt ist, ist sie
bis heute sehr populär. Siehe auch Maslowsche Bedürfnispyramide
für eine genauere Darstellung und kritische Analyse des Modells.
Fünf-Grundmotivationen-Modell
Andere, z. B. Werner Correll, nennen folgende fünf
Grundmotivationen des Menschen: soziale Anerkennung, Sicherheit
und Geborgenheit, Vertrauen, (kompromisslose) Selbstachtung
sowie Unabhängigkeit und Verantwortung.
Intrinsische und extrinsische Motivation
(Zwei-Faktoren-Modell)
Es wird zwischen intrinsischer und extrinsischer Motivation
unterschieden. Das Konzept beschreibt unterschiedliche
psychologische Anreizmodelle für das menschliche Verhalten. In
der Pädagogik wird intrinsische Motivation auch als
Primärmotivation, extrinsische als Sekundärmotivation
bezeichnet.
* Primärmotivation: Diese ergibt sich aus den Grundbedürfnissen
der Menschen. Jeder Mensch hat Hunger und braucht Nahrung. Wenn
ein Mensch friert, hat er das natürliche Bedürfnis nach Kleidung
und Wärme. Primäre Motivation bezieht sich also auf jenen Bedarf
von uns Menschen an Dingen, ohne die wir nicht überleben könnten
(siehe auch Defizitbedürfnisse nach Maslow).
* Sekundärmotivation: Sekundäre Motivation entwickelt sich aus
unserem Umfeld, unseren Lebensumständen heraus. So sehnen wir
uns nach sozialen Kontakten sowie Sicherheit und Anerkennung in
unserer Gesellschaft (siehe auch Wachstumsbedürfnisse nach
Maslow).
Hieraus hat sich die etwas differenziertere Betrachtung
intrinsischer und extrinsischer Motivation entwickelt:
Intrinsisch motivierte Verhaltensweisen
* Intrinsisch motivierte Verhaltensweisen gelten als Prototyp
selbstbestimmten Verhaltens. Das Handeln stimmt mit der eigenen
Auffassung überein. Man ist bestrebt, eine Sache voll und ganz
zu beherrschen.
* Intrinsische Motivation beinhaltet Neugier, Spontanität,
Exploration und Interesse an den unmittelbaren Gegebenheiten der
Umwelt.
* Primär sind interessenbestimmte Handlungen zu erkennen, deren
Aufrechterhaltung keine externen oder intrapsychischen Anstöße,
wie Versprechungen oder Drohungen, benötigt. Diese Motivation
nimmt allerdings ab, wenn man Versuchspersonen extrinsische
Belohnungen wie z.B. Geld oder Auszeichnungen für eine
ursprünglich intrinsische Aktivität anbietet.
Extrinsisch motivierte Verhaltensweisen
* Extrinsisch motivierte Verhaltensweisen treten in der Regel
nicht spontan auf, sie werden vielmehr durch Aufforderungen in
Gang gesetzt, deren Befolgung eine (positive) Bekräftigung
erwarten lässt, oder die auf andere Weise instrumentelle
Funktion besitzen, wie z.B. Ranglisten oder Noten.
* Handlungen, die mit instrumenteller Absicht durchgeführt
werden, um eine von der Handlung separierbare Konsequenz zu
erlangen, zielen auf Sicherheit und Anerkennung in unserer
Gesellschaft.
* Extrinsische Motivatoren, die in den Handlungsablauf einer
eigentlich intrinsisch motivierten Tätigkeit eingeführt werden,
unterminieren das Gefühl der Selbstbestimmung.
Nach Edward L. Deci und Richard M. Ryan
Intrinsische und extrinsische Motivation schließen sich nicht
grundsätzlich aus und können zugleich in derselben Tätigkeit
wirken. Allerdings sind beide nicht einfach kumulierbar:
Extrinische Motivation, die z.B. durch künstliche Anreize eine
vorhandene intrinsische Motivation teilweise oder ganz verdrängt
und die Wertigkeit der Handlungsfolgen durch den sog.
Korrumpierungseffekt verschiebt, stellt häufig auf lange Sicht
das dominante Antriebskonzept für die Psyche des Menschen dar.
Die Ursache dafür liegt in den Strukturen unserer
Leistungsgesellschaft, welche vorhandene intrinsische Motivation
oft durch mitunter schädliche extrinsische Anreize nicht zur
Geltung kommen lässt.
Ein anderes Beispiel für eine spezifische Form intrinsischer
Motivation ist die Neugiermotivation, welche gerade für die
Entwicklungspsychologie eine besondere Rolle spielt. Gelingt es
pädagogisch die angeborene Neugier des Menschen bis in das
Erwachsenenalter zu halten, ist durch die hierdurch folgende
hohe Eigenmotivation des Menschen ein besonderer Erfolg im Leben
wahrscheinlich.
Wenn immer möglich, sollte daher versucht werden die
Primärmotivation zu fördern. Dies wird zum Beispiel durch
gezieltes Nachfragen der inneren Visionen ermöglicht und durch
Übertragung von Kompetenzen oder Vorbildern bzw. durch das
Schaffen einer geeigneten Lernumgebung (Montessori-Pädagogik).
In der Arbeitspsychologie gilt verkürzt: Der richtige Mann am
richtigen Platz.
X- und Y-Theorie von McGregor
Nach Douglas McGregor sind Menschen entweder bestrebt
Arbeitsaufwand zu vermeiden, grundsätzlich träge und faul und
erwarten Belohnung bzw. Bestrafung (Theorie X) oder suchen
Verantwortung, haben Interesse an einer sinnvollen Betätigung
und Leistungswettbewerb (Theorie Y). Dabei werden den beiden
Charakteren gegensätzliche Attribute zugeschrieben:
X-Theorie: Passivität, Antriebsarmut, Desinteresse,
Drückebergerei, braucht Kontrolle, Indianer bzw. re-aktiv.
Dieser Modell-Typus braucht einen eher autoritären Führungsstil.
Y-Theorie: Engagiert, Fleißig, interessiert, sucht
Verantwortung, setzt sich Ziele, Eigenmotiviert, Häuptling bzw.
pro-aktiv. Dieser Modell-Typus wird durch ein positives Erleben
in der Tätigkeit selber motiviert. Spaß, Freude oder Interesse
an der Tätigkeit stehen im Vordergrund und nicht die Belohnung
für eine Handlung oder die Vermeidung von Strafe. Er ist
entweder bereits Führungskraft oder hat zumindest
Führungspotential und braucht einen kooperativen Führungsstil.
Reiss-Modell der Kausalattribution (Reiss Profile)
Die Attributionstheorie hat gezeigt, dass die zugeschriebene
Lokation und Stabilität von Erfolg und Misserfolg eigener
Handlungen die affektiven Handlungsfolgen sowie die Erwartung
zukünftigen Erfolgs beeinflusst. Wird Misserfolg etwa auf
mangelnde Fähigkeit zurückgeführt, so sind negative Affekte und
die Erwartung weiteren zukünftigen Misserfolgs die Folge.
Neben diesen oben genannten 3 Motiven hatte William McDougall
1932 eine Liste von 16 Basismotiven vorgeschlagen. Es folgten
weitere Ansätze verschiedener Autoren mit Listen relevanter
Motive in der Humanpsychologie. Erst die Arbeit des
amerikanischen Testanalytikers und Motivationsforschers Steven
Reiss, Professor für Psychologie und Psychiatrie an der Ohio
State University, basiert jedoch auf einer umfangreichen
empirischen Untersuchung, die das menschliche Verhalten auf 16
relevante Lebensmotive zurückführt. Nach der im Jahr 2000
veröffentlichten Untersuchung mittels empirischer und
testanalytischer Befragung von über 20.000 Männern und Frauen
aus den USA, Kanada und Japan entwickelte er eine komplexe,
nicht hierarchische Ordnung der Grundmotive des Menschen, die
anschließend in den USA sehr populär geworden ist:
* Macht (Streben nach Erfolg, Leistung, Führung)
* Unabhängigkeit (Streben nach Freiheit, Autarkie)
* Neugier (Streben nach Wissen und Wahrheit)
* Anerkennung (Streben nach sozialer Akzeptanz, Zugehörigkeit
und positivem Selbstwert)
* Ordnung (Streben nach Stabilität, guter Organisation)
* Sparen / Sammeln (Streben nach dem Anhäufen materieller Güter)
* Ehre (Streben nach Loyalität und charakterlicher Integrität)
* Idealismus (Streben nach sozialer Gerechtigkeit und Fairness)
* Beziehungen (Streben nach Freundschaft, Kameradschaft, Humor)
* Familie (Streben nach eigenen Kindern, Familie)
* Status (Streben nach Reichtum, social standing)
* Rache / Wettkampf (Streben nach Konkurrenz, Kampf, Vergeltung)
* Eros (Streben nach erotischem Leben, Sexualität und Schönheit)
* Essen (Streben nach Essen und Nahrung)
* Körperliche Aktivität (Streben nach Fitness und Bewegung)
* Emotionale Ruhe (Streben nach Entspannung und emotionaler
Sicherheit)
Obwohl diese Motive das Leben aller Menschen beeinflussen,
unterscheiden sich die Individuen beträchtlich, wie sehr sie
diese erleben und gestalten. Da es insgesamt über drei
Milliarden verschiedener Motivprofile gibt und keines dem
anderen gleicht, zeigt das Reiss-Profil wie ein Fingerabdruck
ein besonderes, charakteristisches Motiv-, Interessens- und
Werteprofil. Haben Partner beispielsweise ungefähr die gleichen
Einstellungen zu den meisten dieser Lebensmotive, passen sie am
besten zusammen.
Ein gravierender Unterschied zu den anderen
Persönlichkeitsmodellen sind die mehr als 120 Querverbindungen
zwischen den einzelnen Motiven, die einen intrinsisch tiefen
Einblick in die Verhaltensweisen und Handlungen von Menschen
geben. Also kurz gefasst: Wie verhält sich jemand, warum tut er
dies, wozu tut er dies? Denn jede Handlung hat mehrere Ebenen,
die trennscharf herausgearbeitet werden können, um unter anderem
zu erfahren: Was für ein Streben hat jemand und weshalb hat er
dieses Streben? Was benutzt er als Mittel zum Zweck und was will
er damit schlussendlich erreichen?
Für die Interpretation schaut man auch gerade auf die drei
psychologisch wirksamen Lebensmotive (Anerkennung,
Wettkampf/Rache und Ruhe). Dies ist eine weitere Besonderheit
des Reiss-Profile, denn ursprünglich wurde es für die klinische
Forschung und die Therapie entwickelt. Es gibt daher auch
Aufschluss über gewisse Profil-Normabweichungen. So kann man
eventuell Tendenzen zu Depressionen oder Manien und sogar deren
Ursachen feststellen. Eventuell können sogar Therapiemaßnahmen
abgeleitet werden.
Die Methodik, mit welcher Prof. Steven Reiss sein Konzept
entworfen hat ist sehr aufwendig und bisher einmalig. Andere
psychologische Wissenschaftstests arbeiten mit
Untersuchungsgruppen von 30 bis 100 Personen, eventuell bis
1000. Eine wirkliche valide wissenschaftliche Vorgehensweise
gilt ab Stichproben von 1000. Eine Untersuchungsgruppe von
20.000 Personen, die sich in mehr als 10 unterschiedliche
internationale Studien aufteilen lässt ist sehr methodisch und
statistisch aufwendig und spricht für die Dichte und
Aussagekraft der Daten, zudem ist jedem Motiv eine
Stichprobengruppe (z.B. Reserveoffizier der USA, Mönche
etc.)hinterlegt. Aus mehr als 500 Items aus den internationalen
Studien wurden letztendlich die 16 Lebensmotive abgeleitet. Nach
Steven Reiss ist es, wie bei jeder Wissenschaft, noch offen, ob
mal in naher Zukunft z.B. ein Motiv dazukommt, oder z.B.
wegfällt. Dies hängt von den weiteren Test und Studien über die
nächsten Jahre ab. Die Rate für den Re-Test (z.B. 4 Tests ein
und der selben Person in einem gewissen Abstand über ein Jahr)
liegt bei sehr guten kleiner gleich 3%.
Das Reiss Profile wird an mehreren Universitäten (zum Beispiel
in den USA, England und Deutschland) weiter untersucht und
praktisch erprobt. Unter anderem gibt es auch Untersuchungen an
der renommierten Harvard-Universität. In Deutschland entwickelt
unter anderem das Reiss Profile Institut im Management und
Leistungssport unter enger Zusammenarbeit mit Prof. Steven Reiss
das Reiss Profile auf deutscher Normierungsbasis weiter.
PSI-Theorie
Die Theorie der Persönlichkeits-Systeme-Interaktionen
(PSI-Theorie) von Julius Kuhl ist eine Theorie der willentlichen
Handlungssteuerung, welche motivationale, volitionale,
kognitive, entwicklungs- und persönlichkeitspsychologische
Theorien zu integrieren versucht.
Die Theorie nimmt an, dass die Verbindungen zwischen
psychologischen Subsystemen durch Veränderungen im positiven und
negativen Affekt moduliert werden. Motivationale Intelligenz
soll sich nur dann entwickeln können, wenn eine positive
Grundstimmung die Grundlage dafür schafft, Affekte zu regulieren
und auch schmerzhafte Erfahrungen zu integrieren.
Die PSI-Theorie bietet auch eine Erklärung dafür, dass
intrinsische Motivation durch materielle Anreize zerstört wird.
Wenn ein Verhalten fast nur durch äußere Anreize (Anweisungen,
Belohnung) gesteuert wird, sinkt die innere Beteiligung. Dadurch
wird die Selbstmotivierungsfunktion, die für das Erlebnis sorgt,
dass die Freude der Tätigkeit selbst entspringt (Flow), außer
Kraft gesetzt.
Der große Unterschied zu anderen Persönlichkeitstheorien besteht
insbesondere in der Dynamik, welche durch positiven und
negativen Affekt zwischen den Makrosystemen aufgebaut wird. Kuhl
postuliert 4 Makrosysteme: das Absichtsgedächtnis und das
Extensionsgedächtnis (das Selbst) auf hochinferenter Ebene sowie
das diskrepanzsensitive Objekterkennungssystem und die intuitive
Verhaltenssteuerung auf niederinferenter Ebene. Zwischen diesen
Systemen herrscht eine individuelle Dynamik auf Basis der
Affekte. In über 20jähriger Forschungsarbeit konnte diese
Theorie fundiert werden und hebt sich auch auf methodischer
Ebene gegenüber den üblichen Motivtypologien und
faktoranalytischen Konzepten ab.
Hohe Relevanz erhält in diesem Zusammenhang das
Extensionsgedächtnis, welches auch als Kernstück des Selbst
bezeichnet werden kann. Menschen mit gutem Zugang zu ihrem
Selbst zeichnen sich durch erhöhte Flexibilität und
Durchsetzungsfähigkeit und innerer Harmonie aus, während
Menschen mit geringer ausgeprägtem Zugang zum Selbst eher rigide
und unausgeglichen wirken. Kuhl bezeichnet die Fähigkeit zur
Integration neuer Erfahrungen in das Extensionsgedächtnis als
„emotionale Dialektik“. Seine Forschungen beruhen insbesondere
auch auf hirnphysiologischen Erkenntnissen.
Erwartungs-mal-Wert-Modelle
Seit der sog. Kognitiven Wende wird Motivation oft als eine
multiplikative Verknüpfung von Erwartung und Wert konzipiert
(zum Beispiel von John William Atkinson 1957, ausgeprägter
1964). Gemäß diesen Erwartungs-mal-Wert-Modellen geht Motivation
auf die Erwartung bestimmter Handlungsergebnisse und
Handlungsfolgen sowie auf deren (positive oder negative)
Bewertung zurück. Diese Modelle werden auch als
Erwartungs-Valenz-Modelle bezeichnet.
Erwartung: Wahrscheinlichkeit des Eintritts
Valenz: Attraktivität eines Ziels
Motivation und Gefühl
Dass ein rein kognitiv orientierter Motivationsbegriff zu kurz
greife ist in jüngster Zeit nicht nur in der
phänomenologisch-sprachanalytisch ausgerichteten Philosophie,
sondern auch in der Psychologie geltend gemacht worden. Vielmehr
sei auch der gesamte Bereich des Fühlens als Motivationsfaktor
einzubeziehen. Dies legen auch viele alltagssprachliche
Formulierungen nahe: Wir gehen z.B. ins Kino, weil wir „Lust“
dazu haben. Wir meiden Menschen und Situationen, die wir „nicht
leiden“ können. Wir geben als Grund für ein Verhalten oder
Interesse an, es mache „Spaß“, „Freude“. Wir essen, weil es
schmeckt, suchen nach Wohlbehagen, Schönheit, Entspannung,
Schmerzfreiheit, weniger Leiden usw.
Nicht kognitiv sind viele Gefühle deshalb, weil beim Erleben
eines angenehmen, bzw. unangenehmen Gefühls nicht notwendig
gedanklich erfasst werden muss, worum es sich handelt. Lust oder
Wohlbehagen beispielsweise werden auch dann noch gefühlt, wenn
weder der Grund bzw. die Ursache bekannt ist, noch überhaupt ein
Verständnis vorausgeht oder folgt. Bei solchen
Gefühlserfahrungen ist demgemäss auch keine Verbalisierung
notwendig. Die mögliche kognitive Komponente ist dann sekundär.
Analoges gilt für negative Gefühle, die ebenfalls einen
nicht-kognitiven Motivationsfaktor abgeben können, wie z.B.
Angst, Schmerz oder Depression.
Eine Präzisierung erfuhr diese Auffassung in einer nochmaligen
Erweiterung des "Erweiterten Kognitiven Motivationsmodells" von
Heckhausen durch Falko Rheinberg (vgl. Rheinberg, 2004). Darin
werden die Anreize zu einer Handlung nicht nur in den eigentlich
erwünschten Folgen der Handlung gesehen, sondern auch in den
positiven Zuständen, die mit der Handlung selbst verbunden sind
(vgl. hierzu auch das Flow-Konzept. In ähnlicher Form finden
sich Emotionen auch in anderen aktuellen Motivationsmodellen,
beispielsweise als "intrinsischer Aufgabenwert" in der "Theory
of Achievement-Related Choices" von Jackie Eccles oder als die
über semantische Differentiale erhobenen Einstellung im Rahmen
der Theorie des geplanten Verhaltens "Theory of Planned Behavior"
von Icek Ajzen.
Typische Motivationsmuster
Sind in einer Motivation sowohl kognitive wie auch emotionale
Komponenten wirksam und stehen diese im Widerspruch, dann kann
im Regelfall davon ausgegangen werden, dass die emotionale
Komponente dahin tendiert, zu dominieren und die kognitive
Komponente zu verdrängen.
Beispiel: Vertrete ich die Überzeugung, dass man im Krieg als
Soldat tapfer sein sollte (Wert der „Tapferkeit“ als kognitive
Motivation), habe ich aber dabei starke Angstgefühle (Angst als
„emotionale“ Motivation), dann behält in vielen, wenn nicht
sogar in den meisten Fällen der emotionale Motivationsfaktor die
Oberhand. Oft geschieht dies unbewusst oder indem ein anderer
als der tatsächliche Grund geltend gemacht wird, z.B. indem man
argumentiert, der Kriegsgrund sei nicht plausibel oder
unmoralisch und daher abzulehnen („Rationalisierung“).
Ein anderes typisches Reaktionsmuster innerhalb von Motivationen
betrifft die zeitliche Hierarchie handlungsauslösender Faktoren.
Erlebt man eine Reihe von negativen Erfahrungen, aufgrund derer
eigentlich davon auszugehen wäre, dass sie demotivierend wirken,
erfährt man aber danach eine positive Motivation in Bezug auf
dieselbe Sache oder Situation, jedoch aus anderen Gründen, dann
tendiert die letztere Erfahrung dahin, in der Motivation zu
dominieren. Beispiel: In einer Ehe gibt es viel Streit und
Meinungsverschiedenheiten, in der Folge aber besseres
Verständnis oder befriedigenderen Sex. In diesem Fall erweist
sich meist die letzte Erfahrung in der Motivation als stärker
(z.B. zusammen zu bleiben oder sich zu trennen.) Auffallend ist
dabei, dass keine zahlenmäßige oder qualitative Aufrechnung
vollzogen wird, sondern die letzte Erfahrung dominiert.
Anwendungen der Motivationspsychologie
Die Erkenntnisse der Motivationspsychologie spielen in folgenden
angewandten Bereichen eine Rolle:
* Soziale Beziehungen: Generell bilden die individuellen
Motivationsstrategien der Menschen eine wesentliche Grundlage
für das subjektive Empfinden von Sympathie und Antipathie.
Liegen ähnliche Bedürfnislagen vor, finden sich leicht
Partnerschaften.
* Konsumforschung: Die Frage, auf welcher Basis Menschen
Konsumentscheidungen treffen, ist eng mit der Frage nach
Konsummotiven (wie Statusdemonstration oder
Gruppenzugehörigkeit) verknüpft.
* Verkaufspsychologie: Die Bedürfniserfassung des Kunden zur
gezielten Gestaltung von Kaufanreizen als Abwandlung der
allgemeinen Handlungsanreize aus der Motivationsforschung.
* Arbeits- und Organisationspsychologie: Die Motivation der
Mitarbeiter ist häufig ein entscheidender Faktor für die
Produktivität eines Unternehmens oder Behörde.
* Gesundheitspsychologie: Motivationale Faktoren haben Einfluss
auf präventives Gesundheitsverhalten und auf die Compliance.
* Klinische Psychologie: Motivationale Faktoren werden zur
Erklärung psychischer Störungen, z.B. der Depression,
herangezogen.
* Pädagogische Psychologie: Die Motivation von Schülern und
Lehrern hat Auswirkungen auf den Schulerfolg.
* Sportpsychologie: Die Motivation von Sportlern hat
Auswirkungen auf die Leistung.
* Lernen durch Lehren: Bedürfnistheoretisch begründete
Unterrichtsmethoden
Feststellung von Motivation
Neben Beobachtung und recht unzuverlässigen Interviewmethoden
bietet die Eignungsdiagnostik aus dem Bereich der
Personalwirtschaft einige verlässliche Verfahren an, um die
Motivationslage des Menschen festzustellen. Von zentraler
Bedeutung hierbei ist die grundlegende Tatsache, dass dem weit
verbreiteten Missverständnis begegnet werden sollte, es sei
wichtig, dass ein Mensch motiviert ist.
Vielmehr darf prinzipiell festgestellt werden, dass jeder Mensch
eine ihm eigene Motivationslage bzw. ein Geflecht von Antrieben
und Handlungsstrategien besitzt, das ihn bei seiner Wahl der
jeweils als für ihn selbst optimal empfundenen Handlungsweise
zumeist unbewusst leitet. Es stellt sich also nie die Frage ob
ein Mensch motiviert ist, sondern wie er motiviert ist.
Mit dieser Erkenntnis darf nicht verwechselt werden, dass sog.
pro-aktiv motivierte Menschen, welche über einen höheren
Reflektionsgrad darüber verfügen, was sie antreibt und wie sie
diese Bedürfnisse gezielt einsetzen können, um sich selbst zu
motivieren, zumindest im Arbeits- und Leistungsprozess höher
angesehen werden als Menschen, denen ihre Motivationskonzepte
nicht so bewusst sind und die daher als re-aktiv bezeichnet
werden. Letztgenannte Menschen brauchen häufig ein externes
Anreizkonzept, das sich ihrer persönlichen Präferenzen und
Erfahrungen bedient, sind aber vom Prinzip her nicht weniger
stark motiviert, z.B. Strafe zu vermeiden oder einen
unangenehmen Kontext zu verlassen.
Einen derart sekundär motivierten Menschen als nicht motiviert
zu bezeichnen, darf als fachlich unhaltbare Verkürzung gelten.
Auch kann die Pauschalisierung möglicher Handlungsmotive nach Mc.
Gregor auf faule und träge Menschen bzw. fleißige und
selbstmotivierte Akteure nicht überzeugen. Dieses Menschenbild
entspricht in keiner Weise mehr den heutigen Erkenntnissen zur
Handlungsmotivation und den Aussagen der modernen Psychologie,
die für jede Vermeidungsstrategie auch ein Motiv sucht und in
der Zielkonflikte, insbesondere innerer und oft unbewusster
Ziele sich in keinem Fall nur durch die Beschreibung von
Leistungsverweigerung erfassen lassen.
Die breite Masse der Menschen, weil sie nicht in
Leitungsfunktion stehen, empfindet ihre Arbeit allerdings
tatsächlich eher als unbequeme Notwendigkeit und entwickelt
demnach mehr oder weniger offen erkennbare Strategien zur
Leistungsvermeidung und sind extrinsisch, also aufgrund der
Bezahlung und nicht durch die Arbeit als solche motiviert. Viele
Menschen sehen die Belohnung für ihre Handlungen und die damit
mögliche Anerkennung im sozialen Kontext (Partnerwahl,
Machterhalt, Statusgewinn) als Hauptantrieb für ihre Tätigkeit
an und müssen nach Mc Gregor tatsächlich auch eher streng
geführt werden.
Die Motivationslage eines intrinsisch motivierten Menschen
korrespondiert hierbei mit einem höheren Status der
tatsächlichen Bedürfnislage des Betreffenden, der seine Grund-
und Existenzbedürfnisse (Defizitbedürfnisse) hier häufig als
gesichert betrachtet und seine höheren Wachstumsbedürfnisse,
insbesondere das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung (siehe
Maslowsche Bedürfnispyramide) im Vordergrund sieht. Auch das
Flow-Erleben kann intrinsischer Motivation zu Grunde liegen.
Neurobiologie der Motivation
Motivation veranlasst einen Organismus zu zielgerichtetem
Verhalten. Unser Wissen über die Neurobiologie der Motivation
ist noch sehr beschränkt. Es entstammt im Wesentlichen der
Suchtforschung, der Untersuchung hirngeschädigter Menschen und
Tierversuchen.
Zielgerichtetes Verhalten ist beim Menschen und bei
Versuchstieren nur beobachtbar, wenn bestimmte Teile des
Gehirnes intakt sind. Dabei handelt es sich um
* Vorderes Cingulum (ein Teil des Frontalhirns)
* Ventrales Tegmentum (VTA, Teile des Mittelhirns)
* Nucleus accumbens
* Ventrales Pallidum (Teil der Basalganglien)
* Nucleus medialis dorsalis thalami (Teil des Thalamus)
Sind diese Regionen geschädigt, können, je nach Schweregrad,
folgende Störungen der Motivation auftreten
* Apathie
* Abulie
* Akinetischer Mutismus
Auch Schäden anderer Hirnareale, die Teile des Belohnungssystems
sind, können zu Motivationsstörungen führen.
Motivation in der Wirtschaft
Oft wird der Begriff heute im Zusammenhang mit: Identifikation
mit der eigenen Firma gebraucht. Nach vielen neuen
Untersuchungen leidet diese in Deutschland zusehends. Dies kann
u. a. zu abnehmender Motivation und Arbeitsmoral sowie zur
Zunahme von für die Firma schädigenden Vermögensdelikten führen.
Im Jahr 2002 hat beispielsweise das Gallup erstmals belegt[1],
dass deutsche Arbeitnehmer im europäischen Vergleich unverändert
schlecht motiviert sind. Nur 15 Prozent der Mitarbeiter seien
demnach engagiert im Job. In beinahe jedem Unternehmen, für das
Gallup Beratungsarbeit geleistet hat, stellte sich das
Verhältnis von "engagierten" zu "aktiv unengagierten"
Mitarbeitern im Verhältnis 1:1 dar. Gallup konnte zudem
feststellen, dass gutes, mitarbeiterfokussiertes Management den
Schlüssel zum Anheben des Engagementlevels darstellt.
Wird hingegen ein Mitarbeiter entlassen, so empfinden das
Arbeitnehmerkollegen in den meisten Fällen als ungerecht. Sowohl
Entlassungen als auch Einkommenskürzungen sind allerdings
regelmäßiger Bestandteil von Rationalisierungsprogrammen und
gehören in wirtschaftlich schlechten Zeiten zum Berufsalltag.
Dies erschwert nach einer Untersuchung von Struck und Stephan
(2006) die Identifikation mit dem eigenen Unternehmen
zusätzlich. Über 40 Prozent der Befragten erlebten in ihrem
Unternehmen während der letzten fünf Jahre betriebsbedingte
Entlassungen und 25 Prozent berichten von Einkommenskürzungen
mit entsprechenden Identifikations- und Motivationseinbrüchen.
Quelle: Wikipedia.de
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