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Werbung im Allgemeinen dient der gezielten und bewussten
Beeinflussung des Menschen. Der Werbende spricht Bedürfnisse
teils durch emotionale, teils informierende Werbebotschaften zum
Zweck der Handlungsmotivation an. Werbung appelliert,
vergleicht, macht betroffen oder neugierig.
Dieser Artikel befasst sich mit der Werbung im Hinblick auf
jedes beliebige ökonomische Gut. Ziel ist hier der Kauf eines
Produktes, die Gewinnung eines wichtigen Lieferanten,
Kooperationspartners bzw. Investors oder die Unterstützung
weiterer kommunikativer Instrumente im Marketing.
Der deutsche Werbemarkt wuchs auch 2006. Nachdem schon im
Vorjahr 2005 die Werbeausgaben um 1,1 Prozent auf 29,55 Mrd €
stiegen, rechnet die Werbebranche mit 2 Prozent Mehrausgaben im
Jahr 2006.
Der Werbe-Zentralverband ZAW schätzt, dass etwa 500 000 Menschen
in Deutschland in der Werbebranche (einschließlich Call Center)
tätig sind, sehr viele als freie Mitarbeiter (Freelancer) auf
selbständiger Basis.
Definitionen
Bereits in der Betriebswirtschaftslehre gibt es zahlreiche
Begriffsdefinitionen der "Werbung".
Karl Christian Behrens versteht darunter "eine absichtliche und
zwangfreie Form der Beeinflussung, welche die Menschen zur
Erfüllung der Werbeziele veranlassen soll".
Otto Walter Haseloff sieht Werbung als die "öffentliche,
gezielte und geplante Kommunikation der Information, der
Motivation, der Überzeugung und der Manipulation eines
definierten Kreises von Umworbenen zugunsten der Marktchancen
eines Produktes oder des Images eines Unternehmens".
Heribert Meffert zitiert Schweiger/Schrattenecker (1995): "Ein
kommunikativer Beeinflussungsprozess mit Hilfe von (Massen-)Kommunikationsmitteln
in verschiedenen Medien, der das Ziel hat, beim Adressaten
marktrelevante Einstellungen und Verhaltensweisen im Sinne der
Unternehmensziele zu verändern".
Philip Kotler / Friedhelm Bliemel definieren die Werbung wie
folgt: "Die Werbung ist eines der Instrumente der
absatzfördernden Kommunikation. Durch Werbung versuchen die
Unternehmen, ihre Zielkunden und andere Gruppen wirkungsvoll
anzusprechen und zu beeinflussen. Zur Werbung gehört jede Art
der nicht persönlichen Vorstellung und Förderung von Ideen,
Waren oder Dienstleistungen eines eindeutig identifizierten
Auftraggebers durch den Einsatz bezahlter Medien."
Etymologie/Wortherkunft
Etymologisch handelt es sich hierbei um die substantivierte Form
des Verbs werben. Dieses steht in engem Zusammenhang mit
Wirbeln. Die grundlegende Bedeutung kann daher auch soviel wie
sich drehen meinen. Ebenfalls zu finden sind: hin und her gehen,
sich umtun, bemühen, etwas betreiben, ausrichten, wenden oder
wandeln.
Seit dem Altertum gab es in vielen Kulturen die Brautwerbung.
Die historisch erste neuzeitliche Definition des Begriffs
"Werbung" bezog sich ausschließlich auf Soldatenanwerbung
(Brockhaus 1848). Für das heutige Verständnis des Begriffes
verwendete man demgegenüber in Deutschland noch bis in die
1930er Jahre den Begriff Reklame, vom französischen réclame
(frz.: réclamer: ausrufen, anpreisen) abgeleitet.
Abgrenzung
Im engeren betriebswirtschaftlichen Sinn wird Werbung als eine
von mehreren Funktionen der Marktkommunikation im Marketing
verstanden.
Sie befasst sich mit dem Transport von Werbebotschaften an eine
Zielgruppe im Rahmen eines Unternehmens - ggf. mit Hilfe der
Werbepsychologie - zur Erreichung eines bestimmten Ergebnisses:
Kauf eines Produktes, Gewinnung eines wichtigen Lieferanten,
Anforderung eines Kataloges, Vereinbarung eines
Vertreterbesuches.
Werbung im öffentlichen Umfeld zur Erreichung eines guten Rufes
(Good Will) wird als Public Relations (Meinungspflege)
bezeichnet (vgl. Public Awareness).
Zur politischen Werbung siehe Propaganda, zur religiösen Werbung
siehe Mission, zur Anwerbung von Soldaten siehe Werbung
(Militär).
Im privaten Bereich ist Werben - im weiteren Sinne - ein
elementarer Bestandteil der menschlichen Kommunikation, z.B. bei
der Partnerwahl oder sozialer Interaktion um individuelle
Aufmerksamkeit zu erregen, Gunst zu gewinnen und soziale
Tauschvorgänge einzuleiten, Entscheidungen zu beeinflussen oder
um Partner zu werben (siehe Brautwerbung, Flirt und
Partnerwahl).
Historische
Wurzeln
Erste Funde kommerzieller Werbetafeln sind aus den Ruinen von
Pompeji bekannt.
Marktschreier, die von Markt zu Markt zogen, priesen bereits im
Mittelalter Waren und Dienstleistungen an.
Moderne Werbung nahm 1850 ihren Anfang. Die industrielle
Revolution führte zur Massengesellschaft und Massenproduktion.
Mit der Pressefreiheit 1849 in Preußen vermehrten sich die
geschäftlichen Anzeigen (Annoncen). Die Presse war mehr und mehr
auf diese Einnahmen angewiesen. 1855 führte dies zur Eröffnung
erster „Vermittlungsinstitute“ (Annoncen-Expeditionen), die den
Anzeigenmarkt organisierten. Sie wurden die ersten
Werbeagenturen im deutschsprachigen Raum.
Um 1870 gewann der Wechsel zur liberalen Marktwirtschaft in der
westlichen Welt an Bedeutung. Zahlreiche Produkte wurden
angeboten, die über die Deckung des existenznotwendigen Bedarfs
hinausgingen. Erste Luxusgüter waren erhältlich. Nun fand auch
erste Werbekritik ihren Anfang: Menschen beschwerten sich über
„Schmutz und Schwindel“ im Anzeigenwesen.
Ab der Jahrhundertwende wurde Konsum ein immer wichtigerer
Bestandteil der Lebenswelt. Verbraucher konnten dadurch ihre
Position in der Gesellschaft ausdrücken und durch erste
Markenartikel versuchen sich in der neuen Massengesellschaft von
anderen abzuheben. Marken setzten sich nachhaltig und merklich
durch.
Hier ist auch ein Professionalisierungsschub der Werbung zu
verorten - grafische Darstellungen und bislang unübliche große
Schaufenster zierten das Stadtbild seit den zwanziger Jahren des
vergangenen Jahrhunderts (Reinhardt 1993). Der Slogan Ein Bild
sagt mehr als tausend Worte stammt aus dieser Zeit. Die
fortschreitende Elektrifizierung brachte erste Lichtreklamen wie
das heute noch bestehende Bayer-Kreuz in Leverkusen.
Um 1930 begann ein Paradigmenwechsel (tiefgreifender
Umwälzungsprozess): vom Verkäufermarkt, in dem der Anbieter dank
knappen Warenangebotes weitgehend Konditionen festlegte, zum
nachfragedominierten Käufermarkt, in dem nun mehr und mehr der
Kunde aus einer reichhaltigen Vielzahl konkurrierender Angeboten
wählen konnte.
Waren deckten nicht nur den originären Bedarf, sondern neben
reiner Nutzenerfüllung weitere emotionale Aspekte.
Markenprodukte wurden mit der Zeit immer wichtiger.
Der Beginn der ersten Markenstrategien in Deutschland mit
Einführung des Backpulvers von Dr. Oetker gilt heute als
Geburtstunde des europäischen Marketing, wie auch als
klassisches Beispiel für eine langfristig angelegte
Werbestrategie. Ähnlich auch Odol, Persil als klassische,
massenhaft hergestellte Markenprodukte.
Seit 1950/1960 begann mit dem Einzug der Selbstbedienungsläden
ein Wandel. Das Produkt musste sich von anderen abheben.
Vorkenntnisse durch Werbung wurden wichtiger, da man als Kunde
mehr über Waren Bescheid wissen musste, um sich am Regal ohne
Verkäuferberatung richtig zu entscheiden.
Zur modernen Form angewandter Psychologie in der Werbung siehe
den Artikel Verkaufspsychologie.
Wissenschaftliche Behandlung und interdisziplinäre
Betrachtung
Unterschiedliche Wissenschaften beschäftigen sich mit
verschiedenen Ansätzen der Werbung:
* Die Psychologie ist der Grundstock der "Werbepsychologie", die
sich mit Werbewirkung beschäftigt. Sie liefert die Ansätze, wie
eine Werbung zu gestalten ist, um das höchstmögliche Maß an
Aufmerksamkeit (siehe unten) zu erreichen. Sie beschäftigt sich
somit mit dem Konsumentenverhalten - wie, warum und wann ein
potentieller Kunde erreicht werden kann.
* Die Soziologie sieht die Werbung zum Einen als
Sozialisationsinstanz und ist besonders wichtig für den Bereich
der sozialen Einflüsse auf das Konsumverhalten, also darauf, wie
Familie, Freunde, Meinungsführer und das restliche soziale
Umfeld das Kaufverhalten Einzelner beeinflussen. Weiterhin ist
Werbung auch eine besondere soziale Sanktion, die durch soziale
Sanktionen (positive: Produktkauf, negative: Spott,
Abwehrmaßnahmen) beantwortet wird (siehe Clausen 1964). Vgl.
auch das Klassenmodell nach Engel, Blackwell und Kollat).
* Die Betriebswirtschaftslehre legt vor allem Wert auf die
Schwierigkeiten der Werbekostenrechnung und
Werbeerfolgskontrolle. Sie unterscheidet "Werbung" von der
"werbenden Wirkung" etwa der Produktgestaltung und
Absatzstrategien allgemein (Erich Gutenberg). Hier ist auch die
Marketingwissenschaft zu positionieren - sie ist
mitverantwortlich für die Optimierung des Verkaufs.
* Die Volkswirtschaftslehre bezieht sich auf die Werbung als
Wirtschaftzweig.
* Die Politologie beschäftigt sich vor allem mit den
Hintergründen und Formen von Propaganda und Agitation.
* Die Kommunikationswissenschaft ist in ihrer Stellung zur
Werbung umstritten und sieht sich eher als Persuasionsforschung
bzw. primär als Werbeträgerforschung. Sie ist maßgeblich für die
Einbettung der Werbung in den redaktionellen Teil eines
Massenmediums.
* Ein weiterer, jedoch nicht wissenschaftlicher Teil ist
Ideenfindung und die Gestaltung der Werbung (Kreation,
Konzeption), die von Grafikern, Textern, ADs, CDs, Fotografen
und anderen Werbeschaffenden ("Kreativen") vorgenommen wird.
Werbung im Marketing-Mix der Betriebswirtschaft
Werbung ist ein Instrument in der Kommunikationspolitik, einem
Teilbereich des Marketing-Mix. Hier steht sie neben dem
Sponsoring sowie der Verkaufsförderung (Promotion), der
Öffentlichkeitsarbeit (abgekürzt aus dem Englischen auch PR für
Public Relation), dem Event-Marketing, dem Sponsoring, den
Messen und Ausstellungen, der persönlichen Kommunikation und dem
Direktmarketing.
Obwohl für beinahe sämtliche Kommunikationsinstrumente eines
Unternehmens zentrale Aspekte und Regeln der Werbung gelten wie
z.B. die sachgerechte Ansprache der Zielgruppe, die Einpassung
in ein übergeordnetes Design (Corporate Design) oder die
Messbarkeit anhand von Rücklaufzahlen (sog. Response), haben
sich für die weiteren Instrumente der Marktkommunikation jeweils
eigene Gesetzmäßigkeiten und Einsatzgebiete entwickelt.
So folgt z.B. auch das Podiumsgespräch zum Thema Standortplanung
innerhalb der Öffentlichkeitsarbeit eines Unternehmens den
Gesetzen der Wahrnehmung von Reizworten, kann jedoch nicht mit
den gleichen kurzfristigen Maßstäben für Erfolg gemessen werden,
wie eine mehrstufige Anzeigenkampagne.
Werbung kann auf dieser Grundlage weder isoliert von anderen
Instrumenten des Marketing betrachtet werden, noch darf die
zunehmende wechselseitige Interaktion mit den übrigen
Leistungsbereichen eines modernen kundenorientierten
Unternehmens vernachlässigt werden.
Neben den vielfältigen Wechselwirkungen mit den Funktionen des
Marketing-Mix selbst sind hier insbesondere die Verknüpfung mit
der glaubwürdigen Ansprache von Investoren und Geldgebern zur
Unternehmensfinanzierung (Finanzkommunikation), der Umgang mit
den eigenen Mitarbeitern (Marketing nach innen) oder mit
Lieferanten (Beschaffungsmarketing) zu nennen.
Deutsche Werberegelungen
Werbung im Rundfunk und in Tele- und Mediendiensten wird in
Deutschland hauptsächlich durch das Gesetz gegen den Unlauteren
Wettbewerb (UWG), den Rundfunkstaatsvertrag und das
Teledienstegesetz geregelt. Das Gesetz beginnt in § 1 UWG mit
der Definition des gesetzlichen Schutzzwecks.
Danach sollen Mitbewerber, Verbraucher und sonstige
Marktteilnehmer vor unlauterem Wettbewerb geschützt werden und
dabei dem Interesse der Allgemeinheit an unverfälschtem
Wettbewerb Rechnung getragen werden.
Dem schließt sich in § 2 UWG einen Katalog von Definitionen, von
denen die der Wettbewerbshandlung als "jeder Handlung mit dem
Ziel der Förderung des eigenen oder fremden Absatzes oder Bezugs
von Waren oder Dienstleistungen" besondere Hervorhebung
verdient.
In § 3 UWG findet sich die Generalklausel, die nicht mehr auf
die guten Sitten im Wettbewerb abstellt, sondern schlicht jede
unlautere Wettbewerbshandlung verbietet. Nach § 5 UWG sind z.B.
Lockvogelangebote genau geregelt, während die frühere
Zugabeverordnung, mit der Beigaben streng reglementiert wurden,
ersatzlos entfallen ist.
Vergleichende
Werbung
Vergleichende Werbung bedeutet, dass die Leistung eines oder
mehrerer Wettbewerber mit dem eigenen Angebot verglichen wird.
Die Aufmerksamkeit des Rezipienten wird durch eine Verschiebung
von primärer Botschaft mit einer Konkurrenzwertung erhöht. In
Deutschland ist die vergleichende Werbung seit dem 14. Juli 2000
aufgrund einer EU-Richtlinie unter bestimmten Vorgaben erlaubt
und im Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) geregelt.
Beispielsweise müssen die getroffenen Aussagen auch objektiv
nachprüfbar sein und der Wahrheit entsprechen. Außerdem darf
(vergleichende) Werbung nicht irreführend sein und Wettbewerber
nicht "verunglimpfen" oder "herabsetzen".
Jugendschutz
Im Bezug auf den Jugendschutz wird die Werbung durch den
Jugendmedienschutz-Staatsvertrag beschränkt. Unter Übernahme der
Regelung in der EG-Fernsehrichtlinie gilt für alle Angebote von
Telemedien (Teledienste und Mediendienste) und den gesamten
Rundfunk, dass Werbung "Kindern und Jugendlichen weder
körperlichen noch seelischen Schaden zufügen" darf, darüber
hinaus darf sie nicht:
1. direkte Kaufappelle an Kinder oder Jugendliche enthalten, die
deren Unerfahrenheit und Leichtgläubigkeit ausnutzen,
2. Kinder und Jugendliche unmittelbar auffordern, ihre Eltern
oder Dritte zum Kauf der beworbenen Waren oder Dienstleistungen
zu bewegen,
3. das besondere Vertrauen ausnutzen, das Kinder oder
Jugendliche zu Eltern, Lehrern und anderen Vertrauenspersonen
haben, oder
4. Kinder oder Minderjährige ohne berechtigten Grund in
gefährlichen Situationen zeigen.
Werbung für alkoholische Getränke darf sich weder an Kinder oder
Jugendliche richten noch durch Art der Darstellung Kinder und
Jugendliche besonders ansprechen oder sie bei Alkoholgenuss
darstellen. Gleiches gilt für Tabak-Werbung in Telemedien.
Sonstige Programminhalte, die Kinder oder Jugendliche
ansprechen, müssen von Werbung getrennt sein. Im Umfeld eines
ansonsten für Kinder oder Jugendliche ausgerichteten Programms
darf keine Werbung verbreitet werden, "... deren Inhalt geeignet
ist, die Entwicklung von Kindern oder Jugendlichen zu einer
eigenverantwortlichen und gemeinschaftsfähigen Persönlichkeit zu
beeinträchtigen".
Werbung, die sich an Kinder oder Jugendliche richtet oder bei
der Kinder oder Jugendliche als Darsteller eingesetzt werden,
darf "... nicht den Interessen von Kindern oder Jugendlichen
schaden oder deren Unerfahrenheit ausnutzen".
Tabakwerbung
Auch auf dem Gebiet der Werbung muss EU-Recht in nationales
Recht überführt werden. Dafür werden jeweils Fristen vereinbart.
Wenn diese nicht eingehalten werden, gilt das nationale Recht
zunächst weiter.
Sichtbar wurde das zum Beispiel am Verbot der Tabakwerbung, die
trotz Vereinbarung innerhalb der EU in Deutschland und in
Luxemburg erst Ende 2006 in nationales Recht umgesetzt wurde.
Damit riskierten Deutschland und Luxemburg Klagen vor dem
Europäischen Gerichtshof.
Die Tabakwerbung ist nach Richtlinie 2003/33/EG vom 26. Mai 2003
u. a. auf Veröffentlichungen zu beschränken, die ausschließlich
für im Tabakhandel tätige Personen bestimmt sind. Alle Formen
der Rundfunkwerbung für Tabakerzeugnisse sind verboten.
Sponsoring i. w. S. grenzüberschreitender Veranstaltungen ist
ebenfalls verboten. Trotz dieser Beschränkungen (in der Saison
2007 ist Tabakwerbung nur bei 3 der 17 Formel 1-Rennen erlaubt)
ist Phillip Morris bis 2010 Hauptsponsor des Rennstalls
Ferrari[1].
Europäische Werberegelungen
Betrachtet man das europäische Recht zum Themenfeld Werbung, so
wird eines deutlich. Zwar ist darin die Werbefreiheit
garantiert, ein allgemeines europäisches Werberecht fehlt aber
gänzlich. Die Werbefreiheit stützt sich auf zwei Säulen:
1. die Dienstleistungsfreiheit in Art. 49 EG-Vertrag, da Werbung
als Vertriebsaktivität eine Dienstleistung im Sinne von Art. 50
EG-Vertrag ist und dadurch geschützt wird
2. die Warenverkehrsfreiheit gemäß Art. 28 f. EG-Vertrag, da
Ziel einer Werbung der Absatz von Waren ist.
Doch die Rechtssprechung des Gerichtshof zu Werbung hingegen ist
noch von einer relativ unscharfen Ein- und Abgrenzung der
Schutzbereiche, einer gelegentlich nur summarischen
Eingriffsprüfung und der Konzentration auf die
Eingriffsrechtfertigung geprägt. Entscheidend dabei ist jeweils,
ob der Europäische Gerichtshof (EuGH) die Werbung lediglich zum
Bereich der Wirtschafts- und Berufsfreiheit oder aber zum
Bereich der Kommunikationsfreiheit zählt.
Die Werbung stellt im EG-Vertrag (EGV) zum einen ein primäres
Gemeinschaftsrecht dar. Selbst die Verträge zur Gründung der
Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) enthalten
keine ausdrücklichen Regeln über die Werbung bzw. Werbeverbote,
sondern nur „einen bunten Strauß von Werberegelungen
unterschiedlicher Ziel- und Wirkrichtungen“. Zum anderen gilt
Werbung als sekundäres Recht (= das von den Organen der EG
geschaffene Recht) und wird von der EU in Form von Richtlinien
und Verordnungen geregelt, welche von jedem Mitgliedstaat in
nationales Recht umgesetzt werden muss. Die EU-Richtlinien zur
Werbung werden unterschieden in:
1. lauterkeitsbezogen: werden oft auch als allgemeines
Werberecht bezeichnet, da sie unabhängig von bestimmten
Produkten oder Medien sind; da in jedem EU-Land unterschiedliche
Regelungen zu unlauterem Wettbewerb existieren, gibt es nur eine
Mindestharmonisierung in Bezug auf irreführende Werbung (1984)
2. produktspezifisch: Verbot der Öffentlichkeitswerbung für
verschreibungspflichtige Arzneimittel, Tabakwerbe- und
Sponsoringverbot, Etikettierungsvorschriften für Wein,
Schaumwein und Spirituosen, Etikettierungsvorschriften für
Nahrungsmittel im Allgemeinen und Babynahrung im Besonderen
wegen Irreführungsverbot; Informationspflichten für
Pauschalreisen und Finanzdienstleistungen wegen
Irreführungsverbot
3. medienspezifisch: wie z. B. die EG-Fernsehrichtlinie
Dabei ist zu beachten, dass es keine Sachbereichskompetenz der
Gemeinschaft im EG-Vertrag gibt. Es gilt die
Rechtsangleichungskompetenz nach Art. 100a EGV, nach der jedes
EU-Land die Richtlinien umsetzen sollte oder aber eine
Begründung für die Abweichung der von der EU vorgeschlagenen
Richtlinie geltend machen muss. Einzige Ausnahme:
Rechtsangleichungskompetenz nach Art. 66 EGV. Dieser Artikel
stellt eine spezielle Kompetenzgrundlage zur
Rechtsharmonisierung dar, um Beeinträchtigungen der
Dienstleistungsfreiheiten zu beseitigen. Auf diesem beruht z.B.
Fernsehrichtlinie.
Generell gilt: ein werbetreibendes Unternehmen muss sich an die
Vorschriften des Landes halten, in dem es seine Waren anbietet.
Damit kann es nicht zu einer Inländerdiskriminierung kommen, da
alle Unternehmen den nationalen gesetzlichen Regelungen des
Mitgliedstaates unterliegen, in dem sich die Geschäftshandlung
auswirkt.
Da also ein einheitliches europäisches Werberecht fehlt, müssen
die inhaltlichen Anforderungen an grenzüberschreitende Werbung
in Europa aus den im EG-Vertrag in Form von Richtlinien
definierten Regeln subtrahiert werden. Die wichtigsten
Richtlinien in diesem Zusammenhang sind:
1. Mit der Irreführungs-Richtlinie (1984) ist eine für den
Verbraucher irreführende Werbung verboten. Jedoch ist die
Richtlinie hinsichtlich eines einheitlichen europäischen
Irreführungsrechts nur einschränkend geeignet, da die Definition
der Irreführung von den nationalen Rechtsordnungen und Gerichten
auszufüllen sind.
2. Weiterhin gibt es eine Richtlinie über vergleichende Werbung
(1997), die darauf abzielt, vergleichende Werbung zuzulassen, um
eine Verbesserung der Verbraucherinformation zu ermöglichen.
3. Die Fernabsatzrichtlinie verbietet in Art. 10 I die
unerwünschte Werbung per Telefax, die für die
grenzüberschreitende, europaweite Werbung relevant ist. Die
Regelungen des Europäischen Datenschutzes ist eine wichtige
Regelung, da das Internet eine engere Beziehung zwischen
Produzent und Verbraucher ermöglicht, so daß der Werbende viele
personenbezogene Daten über den Verbraucher zur Verfügung haben
muss, um eine effektiv auf den Verbraucher zugeschnittenen
Werbestrategie zu entwickeln.
4. Auch die eCommerce-Richtlinie ist für die Werbung von
Bedeutung. Dabei geht es wesentlich um zwei Aspekte, nämlich der
Transparenz- und Informationspflicht, Art. 6 der Richtlinie, und
der unerbetenen Werbung (Spamming), Art. 7 der Richtlinie.
Schon aus diesen Richtlinien wird deutlich bzw. lässt sich
schlussfolgern, dass nicht der grenzüberschreitende faire
Wettbewerb mit seinen positiven Effekten das Ziel ist, sondern
die EU durch tiefe Eingriffe in die Werbefreiheit der
Unternehmen ihren Bürgern Selbstverantwortung bei
Markt-Entscheidungen abnehmen will.
Funktionen der Werbung im Kommunikationsprozess
Nachfolgende Abschnitte gliedern zunächst einmal relevante
Kernfunktionen der Werbung für die praktische Planung und ihre
Handhabung in Aufzählungsform. Zum Erhalt der Übersichtlichkeit
folgen Sie bitte zwecks Vertiefung der einzelnen Fachbegriffe
den verlinkten Stichworten.
Die Darstellung des Kommunikationsprozesses verdeutlicht die
sog. Kommunikationsformel von Harold D. Lasswell (1948):
Wer sagt was in welchem Kanal zu wem mit welchem Effekt?
(Who says what in which channel to whom with what effect?)
* wer sagt → Sender → Kommunikatorforschung (Unternehmung,
Kommunikator)
* was → Inhalt → Aussagenforschung / Inhaltsforschung
(Botschaft)
* in welchem Kanal → Medium → Medienforschung (Werbeträger,
Verkäufer)
* zu wem → Empfänger, Zuhörer → Rezipientenforschung /
Publikumsforschung (Zielperson, Zielgruppe)
* mit welchem Effekt → Effekt → Wirkungsforschung
(Kommunikationserfolg, Image, Einstellung)
Bedeutungsebenen
Richard Geml hat 1988 die verschiedenen Zielebenen der
Werbefunktion dargestellt
* Ökonomische Werbeziele
o Kauf
o Gewinn
o Deckungsbeitrag
o Umsatz
o Abverkäufe
o Marktanteil
* Nicht ökonomische Werbeziele
o Unter- und Vorbewusstsein
+ Emotionen
+ Bedürfnisse wecken
+ Motivation
+ Wünsche wecken
o Bewusstseinsbildung
+ Aufmerksamkeit
+ Interesse
+ Bekanntheit
+ Image
+ Einstellungen ändern
+ Schaffung von Nutzwertvorstellung
+ Überzeugen
o Verhaltensaktivierung
+ Verwendung
+ Empfehlung
Werbung nach unterschiedlichen Dimensionen
Ziel der Werbung
* Einführungswerbung
* Expansionswerbung
* Erhaltungswerbung
* Werbung für Branchen ("Good Will"-Werbung)
Zahl der Umworbenen
* Einzelwerbung
* Massenwerbung
Zahl der Werbenden
* Alleinwerbende
* Kollektivwerbung
Inhalt der Werbung
* Informative Werbung
* Suggestive Werbung
Umsatzentwicklung
* Zyklische Werbung
* Antizyklische Werbung
Gegenstand der Werbung
* Produktwerbung
* Firmenwerbung
* Branchenwerbung
Angesprochener Personenkreis
* Händler
* Multiplikatoren, opinion leader
* Verbraucher
Medium
* Zeitungswerbung
* Fernsehwerbung
* Radiowerbung
* Internetwerbung
* Promotion bzw. Verkaufsförderung
* PR
* Direktwerbung
* Außenwerbung
Werbeträger,
Werbemittel
Der Werbeträger ist das Medium, das die eigentliche Botschaft
mit Hilfe von Gestaltungsmitteln (Werbemittel) zum Konsumenten
trägt. Die Güte eines Werbeträgers wird mit Hilfe des
Tausend-Kontakt-Preis (TKP) gemessen, der Preis für je 1.000
erreichte potentielle Interessenten.
Werbeträger:
* Außenwerbung
o Litfaßsäule
o Gerüstplane
o Pillar (Plakatwand)
o Plakatwand (billboard)
o Prospekt (Werbung)
o Skywriting
* Werbegeschenke
o Feuerzeugwerbung
o Kalenderwerbung
o Kugelschreiberwerbung
o Werbechip für Einkaufswagen etc.
* Medienwerbung
o Radiosendung
o Fernsehsendung
o Zeitungswerbung
o Film
o Internetseite
o Werbespiele
* Verkehrsmittelwerbung
o LKW-Plane
o Taxi-Werbung
o Zugabteil
o Ganzreklame auf Fahrzeugen
o Heißluftballons
* Textilwerbung
o Trikotwerbung
o Werbeshirts
o Mützen (Capys)
* Verkaufswerbung am POS
o Display
o Verkaufsraumbeduftung
o Einkaufswagen
o Visitenkarte
o Telefonanruf
o Verkaufsgespräch
Kuriose Werbeträger wie Raketen oder die Internationale
Raumstation ISS, die menschliche Haut oder Lebensmittel
erweitern die Palette scheinbar grenzenlos.
Ein neuer Werbeträger ist das seit 2003 angewandte Couponing,
das im Grunde die elektronische Form der früheren Rabattmarken
ist. Erhöhung der Kundenbindung aus Sicht der Unternehmen und
das Verlangen der Kunden nach Rabatten in Zeiten der Rezession
führte bereits Anfang des vergangenen Jahrhunderts zu hoher
Akzeptanz und Verbreitung derartiger Programme.
Bekanntestes modernes Beispiel ist die Konzern-Kooperation "Payback".
Solche Rabattprogramme sind bei Datenschützern umstritten.
Unternehmen können mit der Zeit alle getätigten Käufe zu einem
Einkaufsprofil zusammenführen, und so einzelne Kunden mit
individualisierten Angeboten gezielt ansprechen.
Werbemittel:
* Anzeige
* Plakat
* Litfaßsäule
* Aufkleber
* TV-Spot
* Radio-Spot
* Film-Spot
* Paidmailer
* Textildruck
* Beschriftung
* Mailing
* Messestand
* Werbefigur
* Werbemusik
* Werbespiele
Netto-Werbeeinnahmen erfassbarer Werbeträger in Deutschland
jährlich, 2001 - 2004
| Werbeträger |
2001 |
Prozent |
2002 |
Prozent |
2003 |
Prozent |
2004 |
Prozent |
| Tageszeitungen |
5.642,16
|
- 14,0
|
4.936,70
|
- 12,5
|
4.454,90
|
- 9,8
|
4.500,50
|
+ 1,0
|
| Fernsehen |
4.469,03
|
- 5,1
|
3.956,41
|
- 11,5
|
3.811,27
|
- 3,7
|
3.860,38
|
+ 1,3
|
| Werbung per Post |
3.255,78
|
- 3,7
|
3.334,67
|
+ 2,4
|
3.303,87
|
- 1,0
|
3 398,43
|
+ 2,9
|
| Publikumszeitschriften |
2.092,45
|
- 6,9
|
1.934,79
|
- 7,5
|
1.861,50
|
- 3,8
|
1 839,20
|
- 1,2
|
| Anzeigenblätter |
1.751,00
|
- 2,3
|
1.702,00
|
- 2,8
|
1.746,00
|
+ 2,6
|
1.836,40
|
+ 5,2
|
| Verzeichnis-Medien |
1.269,40
|
+ 0,1
|
1.249,90
|
- 1,5
|
1.219,51
|
- 2,4
|
1 195,73
|
- 2,0
|
| Fachzeitschriften |
1.074,00
|
- 15,2
|
966,00
|
- 10,1
|
877,00
|
- 9,2
|
865,00
|
- 1,4
|
| Außenwerbung |
759,71
|
+ 1,8
|
713,45
|
- 6,1
|
709,97
|
- 0,5
|
720,11
|
+ 1,4
|
| Hörfunk |
677,98
|
- 7,5
|
595,12
|
- 12,2
|
579,24
|
- 2,7
|
619,39
|
+ 6,9
|
| Online-Angebote |
185,00
|
+ 20,6
|
227,00
|
+ 22,7
|
246,00
|
+ 8,4
|
271,00
|
+ 10,2
|
| Wochenzeitungen |
286,73
|
+ 3,3*
|
267,80
|
- 6,6
|
225,10
|
-**
|
245,80
|
+ 9,2
|
| Filmtheater |
170,22
|
- 2,8
|
160,52
|
- 5,7
|
160,68
|
+ 0,1
|
146,77
|
- 8,7
|
| Zeitungssupplements |
89,50***
|
-
|
96,80
|
+ 8,2
|
85,50
|
-11,7
|
90,00
|
+ 5,3
|
| Gesamt |
21.722,96 |
- 7,1 |
20.141,16 |
- 7,3 |
19.280,54 |
- 4,3 |
19.588,71 |
+ 1,6 |
Netto–Angaben in
Mio € nach Abzug von Mengen- und Malrabatten sowie
Mittlerprovisionen, vor Skonti, ohne Produktionskosten.
*Wegen unterschiedlicher Repräsentanz in der Erhebungsgruppe nur
bedingt vergleichbar.
**Vorjahresvergleich nicht möglich: Ein teilnehmender Verlag
deklarierte 2002 versehentlich Umsätze der Wochentagsausgabe
auch als Umsätze der Sonntagszeitung. Wegen der Anonymität der
Umsatzerhebung ist eine rückwirkende Korrektur nicht möglich.
***Zeitungssupplements: Ab 2001 werden die Vertriebs- und
Anzeigenerlöse miteinander verrechnet und nur als Gesamtergebnis
dargestellt.
Quelle: Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW)
Aktuell: Unternehmen haben 2005 rund 19,1 Milliarden Euro für
Werbung ausgegeben. Der Börsenblatt Newsletter vom 13. Januar
2006 zitiert das Marktforschungsinstitut Nielsen Media Research:
Ausgaben um rund 961 Millionen Euro gesteigert, ein Plus von 5,3
Prozent - Werbemarkt zum dritten Mal in Folge gewachsen. Das
Fernsehen verbuchte mit rund acht Milliarden Euro (plus 4,2
Prozent) die größten Bruttoeinnahmen aller Medien.
Die Steigerung der Bruttowerbeausgaben sei zum großen Teil auf
Eigenwerbung der Medien zurückzuführen. Die hätten ihre Ausgaben
um 350 Millionen Euro gesteigert. Zusatzgeschäfte wie Buch- und
CD-Editionen beispielsweise seien stark beworben worden. Auch
wegen der Fußball-WM werde der Markt 2006 um sieben bis acht
Prozent wachsen.
Der Online-Werbemarkt wuchs 2005 um 60 Prozent gegenüber 2004
[1].
Umsatz der Werbeagenturen in der Werbehauptstadt Frankfurt seit
Jahren konstant über sieben Milliarden Euro.
Konzeption und Umsetzung
Werbekonzept
Das Werbekonzept setzt den allgemeinen Rahmen, nach dem sich
alle Gestaltungsmaßnahmen einer Werbekampagne zu richten haben.
Im Groben gibt das Konzept die Punkte Consumer Benefit, Reason
Why und Tonality (z.B. den Einsatz von Reizworten) vor.
Die Anforderungen an eine erfolgreiche Werbung sind:
* Aufmerksamkeitsstärke
* Relevanz
* Glaubwürdigkeit
* Merkfähigkeit
* Kontinuität
Je mehr die Werbung diesen Kriterien gerecht wird, desto größer
ist ihre Chance, dass sie das bewirkt, was sie bewirken soll.
Mit der Konzeption einer Copy-Strategie (Text-Strategie) kann
man eine effiziente Werbung im Sinne dieser Anforderungen
entwickeln. Ausgangspunkt ist dabei die Copy-Analyse.
Als Beispiel für das Werbekonzept eines Konsumgüteranbieters
kann die Geiz ist geil-Kampange gelten:
* Consumer Benefit:
Hier bekommen Sie Elektronik-, Entertainment- und Haushaltswaren
aller Art.
* Reason Why:
"Geiz ist geil" und wir sind die Billigsten.
* Tonality:
Auffallend, Erotik günstiger Preise, modern.
Der Prozess der Werbeplanung und -durchführung kann nach Hans
Christian Weis wie folgt skizziert werden:
1. Marketingziele
2. Werbeziele
3. Werbeetat
4. Festlegung der Werbeobjekte
5. Festlegung der Werbesubjekte
6. Festlegung der Werbebotschaft
7. Auswahl der Werbemittel
8. Pretest
9. Auswahl der Werbeträger
10. Auswahl der Zeit und Region
11. Werbedurchführung
12. Werbekontrolle
Aufmerksamkeitsverlauf
Hubert A. Zielske untersuchte die Entwicklung von
Erinnerungswerten aus einer Werbeaktion, die über einen Zeitraum
von 13 Wochen lief (Kurve I nebenstehend) und bei der die
Zielpersonen einen Kontakt pro Woche hatten, mit denen, die über
52 Wochen (Kurve II) einmal im Monat ein Kontakt hergestellt
wurde. Die Wirkungskurven haben nicht nur unterschiedliche
Spitzenwerte mit 63% (Kurve I) und 48 % (Kurve II), sondern sie
belegen auch zwischen der Anzahl der Kontakte und dem
Werbeerfolg eine eindeutige Korrelation.
Aufmerksamkeitsstrategien
* Wiederholung: Ein Teil der Werbung konzentriert sich darauf,
eine Marke durch Wiederholung zu bewerben. Nach durchschnittlich
7 Wahrnehmungsvorgängen wird sich einer Botschaft bewusst
erinnert.
* Referenz auf prominente Verwender ("Bandwagon-Argument"):
Indem Werbung andeutet, das Produkt würde allgemein in einer
höheren sozialen Schicht verwendet, soll der Kaufanreiz erhöht
werden.
* Zeugenaussagen: Oft versucht die Werbung, die bessere Qualität
ihres Produktes durch das Zeugnis des Normalverbrauchers, der
Experten oder der beider zu fördern. "drei aus vier Zahnärzten
heraus empfehlen...". Dies bezieht häufig einen Anklang zur
Autorität mit ein. (Spin Doctors)
* Künstliche Verknappung: Es wird versucht, die Menschen schnell
ohne lange Überlegung wählen zu lassen und, so hofft die
Werbung, zu schnellem Kauf zu ermuntern: "Ausverkauf, schlagen
Sie jetzt zu!"
* Assoziation: Oft versucht die Werbung, ihr Produkt visuell
oder auditiv mit wünschenswerten Umständen zu verbinden, um es
ebenso wünschenswert erscheinen zu lassen. Der Gebrauch von
attraktiven Modellen, malerischen Landschaften und ähnlichen
Darstellungen ist verbreitet.
* Werbefigur Die gestresste Hausfrau bekommt zur Problemlösung
einen großen starken Mann geliefert, (Meister Propper oder Der
General) bzw. eine attraktive Verwendungseigenschaft wird auf
eine solche Figur projiziert (HB-Männchen oder Herr Kaiser).
Derartige Konzepte im Bereich der B-to-C-Werbung lassen sich
nicht ohne weiteres auf den B-to-B-Markt übertragen. Hier
übernimmt die Verkaufsförderung (Promotion) oder die
Öffentlichkeitsarbeit bzw. das Sponsoring entsprechende
Funktionen gegenüber den institutionalisierten Abnehmern.
Bedeutung der Aufmerksamkeitsschwelle
Klassische Werbung sucht einen hohen Anteil an Aufmerksamkeit (awareness)
für die beworbene Sache in ihrer spezifischen Zielgruppe
herzustellen.
Gefährlich ist jedoch, wenn ein Produktname so weit akzeptiert
wird, dass er sich im Laufe der Zeit als Gattungsbezeichnung im
allgemeinen Sprachgebrauch entwickelt, und dann den
markenrechtlichen Schutz als eingetragenes Warenzeichen
verliert.
Beispiele hierzu sind "Tesafilm" (bzw. "Tixo" in Österreich),
die Filtertüte von Melitta, "Walkman" oder die "Spalt-Tablette",
auch Leukoplast; ebenso Jeep, UHU und Fön (siehe auch Liste der
Begriffsmonopole). Im amerikanischen Raum ist der Firmenname
Xerox zum Synonym von "kopieren" geworden.
Tempo beispielsweise kann sich selbst als eigenes Taschentuch
hervorheben. Jedoch, weil es einen Mind share bei den
Verbrauchern erreicht hat, wird es häufig als gleichbedeutendes
Wort für jedes mögliche Taschentuch verwendet, selbst wenn es
sich um eine ganz andere Marke oder sogar um eine "weiße Marke"
handelt.
Unterschwellige Werbung
Unterschwellige Werbung (englisch subliminal advertising,
sub-threshold advertising) bezeichnet die Form der Werbung, die
auch bei angespannter Aufmerksamkeit nicht bemerkt werden kann
(etwa, weil sie aus sehr kurzen, zehntel-sekundenlangen
tachistoskopischen optischen Botschaften besteht), denen aber
unterstellt wird, dass sie trotzdem wirkten.
In den 1950er Jahren wurde diese Form der Werbung in den USA,
Großbritannien und Deutschland diskutiert, zum Teil anhand
erfundener Versuchsberichte.
Unterschwellige Werbung wurde danach allerdings als optisch und
akustisch nachgewiesenermaßen unwirksam fallen gelassen, jedoch
nie ganz vergessen.
Der Versuch, wirksame optische oder akustische Werbung gänzlich
unter der Aufmerksamkeitsschwelle anzubieten gilt nach
wahrnehmungspsychologischer Untersuchung als ineffektiv.
Mögliche Anwendungen eröffnet die olfaktorische Wahrnehmung, das
heißt Werbung über den Geruchssinn, zum Beispiel in der
Ausprägung des "Duftdrucks". (siehe hierzu Ladenverkauf).
Schleichwerbung
Werbung, die zwar wahrgenommen, nicht aber als solche
identifiziert wird (Schleichwerbung bzw. product placement) kann
eine starke Wirkung zu minimalen Kosten haben.
Gängige Produkte werden in die Film oder TV-Programme eingebaut:
die Coca Cola in der Hand des Schauspielers, die Packung Corn
Flakes auf dem Frühstückstisch.
Nach den geltenden Richtlinien der öffentlich-rechtlichen
Sendeanstalten ist Schleichwerbung im deutschen Fernsehen
verboten.
Personifizierung
Die Personifizierung (Vermenschlichung) abstrakter Begriffe, zum
Beispiel Verunreinigungen lehnt an das Konzept der positiv
besetzten Werbefigur an und kehrt die emotionale Assoziation um.
Grauschleier oder Flecken werden im Werbespot zu kleinen,
haarigen oder gar schleimigen Wesen, um so den natürlichen Ekel
des Menschen vor solchen Krankheitsüberträgern (z. B. Insekten,
Würmern, Milben) zu wecken.
Oft wird Wissenschaftlichkeit durch die Darstellung suggeriert;
Mikroskopie-Aufnahmen, weiße Kittel, Diagramme.
Schockwerbung
Eine hohe Aufmerksamkeit erzielte "Tabu- oder Schockwerbung" mit
negativ besetzen Motiven. Schockierende Werbung, die besonders
durch Benetton geprägt wurde (verölte Ente) hat explizit nicht
das Produktinteresse zum Ziel: " Wir machen kein
High-Tech-Produkt. Darum ist es wichtig, daß Menschen, die nicht
unsere Pullover und Röcke kaufen, über Benetton sprechen.".
Ulrike Wünnenberg definiert 1996 diese Art und Weise der Werbung
folgendermaßen: Es ist "das Werben mit einer "gestellten" oder
realistischen Bildaufnahme, die Not, Leid und Elend, aber auch
religiöse oder politisch höchst sensible Themen zum Inhalt hat,
keinerlei oder nur unzureichenden Sachbezug zu dem zu
bewerbenden Produkt oder Unternehmen aufweist und lediglich bzw.
dennoch mit dem Logo einer Firma oder eines Produkts verbunden
ist, die aber aufgrund ihres unerwarteten Motivs geeignet ist,
Reaktionen vielfältiger Art von heftigster Intensität
hervorzurufen".
Da diese Annahmen sehr unterschiedlich sein können, ist die
Wirkung schockierender Werbung immer abhängig von sozialen,
kulturellen und individuellen Faktoren. Um provozieren zu
können, bedarf es auf Seiten des werbetreibenden Unternehmen
daher einer fundierten Kenntnis gesellschaftlicher wie
kultureller Umstände und kollektiv akzeptierter Gewohnheiten und
deren Grenzen.
Auch die menschliche Sexualität eignet sich, um durch die
Überschreitung sozial akzeptierter (Seh-)Gewohnheiten im
öffentlichen Raum die Aufmerksamkeit des Rezipienten zu
erlangen. Um die Jahrhundertwende 1890 bis 1905 zeigte die
Anheuser Busch erstmals überhaupt fotografische Abbildungen in
der Bierwerbung.
Bis in die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde dann in
den USA vereinzelt immer wieder mit leicht erotisch anmutenden
Motiven geworben. Doch erst im Spätsommer 1953 kam die erste
Playboy-Zeitschrift in den USA auf den Markt. Es wurde erstmals
eine Frau vollkommen nackt (erotisch) in einem regulären Magazin
abgebildet, das für die breite Öffentlichkeit bestimmt war.
Mit der damals noch jungen Marilyn Monroe als Pin-Up-Girl und
den entsprechend geschalteten Werbeanzeigen des Playboy wurde
der Slogan "sex sells" als solches geprägt und das entsprechende
Werbeumfeld allgemein akzeptiert und genutzt.
Der Mainzer Kaffeehersteller Nescafe brachte im Sommer 2005 für
das Produkt "K-fee" eine hochschockierende Werbung raus. Während
z.B. ein Auto friedlich fährt, schießt ein halbbetrunkener Mann
hoch, und schreit hysterisch. Allerdings musste Nescafe die
Werbung wieder einstellen, weil Menschen mit schwachem Herz an
Herzrasen gestorben sind. K-fee-Slogan: Kaffee in hohen Dosen
Aktuell: Der Bundesgerichtshof lockerte seine Rechtsprechung zu
"gefühlsbetonter Reklame" in einem Urteil vom 22. September
2005, I ZR 55/02. Neu ist, dass eine Werbung nicht allein
deswegen unlauter ist, weil sie Kaufinteresse -- ohne sachlichen
Zusammenhang mit der beworbenen Ware -- maßgeblich durch
Ansprache sozialen Verantwortungsgefühls weckt (Auslobung einer
Spende an Umweltschutzorganisation).
Werbewirkungsforschung
Die Lernpsychologie bestätigt empirisch, dass sich ein Thema,
also auch ein Produktname, besser in das Gedächtnis einprägt,
wenn es in einem emotional erregenden Kontext kennengelernt
wird. Eine solche emotionale Erregung können sowohl sexuelle
Anspielungen, als auch Angst, Ekel oder Wut hervorrufen.
In der Gehirnforschung identifizieren funktionelle bildgebende
Verfahren (z.B. funktionelle Magnetresonanz-Tomographie, fMRI)
die Gehirnareale, die an der durch Emotionen erleichterten
Merkfähigkeit beteiligt sind (bei positiven Emotionen unter
anderen der Hippocampus und bei negativen Emotionen der
Mandelkern).
Die entsprechenden Aufmerksamkeitsstrategieen erforscht die
Werbepsychologie in Verbindung mit der Verkaufspsychologie.
Unterschiede in Konsumgüter- und Investitionsgüterwerbung
Investititionsgüter wie Werkzeugmaschinen, Kraftwerke oder
Nutzfahrzeuge werden anders verkauft als Konsumprodukte.
Klaus Backhaus (Investitionsgütermarketing 2003) stellt dar,
dass sich im Bezug auf sämtliche Bereiche des Marketing und der
Unternehmensführung für Konsumgüteranbieter und Anbieter
langlebiger Waren und Dienstleistungen grundsätzlich
unterschiedliche Strategien entwickelt haben.
Als Investitionsgüter werden hier Leistungen bezeichnet, die von
Organisationen wie Unternehmen oder öffentlichen Verwaltungen
beschafft werden, um weitere Leistungen zu erstellen, die nicht
in der Distribution an Endkunden (private Haushalte) bestehen.
Im Bereich der Marktkommunikation, insb. der Werbung
unterscheiden sich somit Werbestrategie, Tonalität und Copy
sowie die Nutzwertorientierung der Werbebotschaft erheblich.
Im Konsumgütermarkt finden relevante Werbemaßnahmen eher im
Rahmen der klassischen Werbung (TV, Radio, Printmedien) statt.
Investitionsgüterwerbung erreicht die Entscheidungsträger
hingegen eher per Direktmarketing.
Die zahlenmäßig geringeren Zielpersonen (Entscheider
institutionalisierter Nachfrager) interessieren sich bewusst
weitaus stärker für den sachlichen Informationsgehalt der
Werbung, reagieren jedoch ebenso intuitiv auf vertrauensbildende
Wirkelemente und Werbemittel wie andere Konsumenten.
In der Regel sind sowohl auf der Abnehmerseite als auch auf
Seiten des Anbieters von Investitionsgütern mehrere Personen am
Kaufprozess beteiligt, wobei die entsprechenden Organisationen
als Buying Center auf der Abnehmerseite bzw. Selling Center auf
der Anbieterseite bezeichnet werden.
Die Werbung wird somit in erster Linie in der Interaktion
zwischen diesen Organisationen geleistet und nicht an einem
anonymen, passiven Markt wie beim Konsumgütermarketing
platziert. Daher ist eine gewisse Stabilität der Beziehungen
zwischen Herstellern und Abnehmern charakteristisch (vgl. Zentes:
Grundbegriffe des Marketing, 1996, S. 182)
Geringere Schaltfrequenz mit höherer Informationsdichte
sachbezogener Nutzwertinformationen entsprechender
Werbemaßnahmen führen zur Schaffung eines positiven Klimas für
das persönliche Verkaufsgespräch und zur Stimulierung der
Nachfrage auf Folgestufen der Absatzprozesse (z.B. Betreuung,
gemeinsame Forschung und Entwicklung sowie Schulung). Die
Werbemaßnahmen des Konsumgütermarktes zielen hingegen eher auf
affektive Kaufentscheidungen und Imagebildung.
Wichtige Sonderformen
Innerhalb des Kommunikationsmix einer Marketingkapnage steht die
Werbung neben den anderen klassichen Instrumenten, wie der PR
und der Verkaufsförderung. Zwischen diesen klar definierten
Formen, gibt es Sonderformen, die z.T. viel länger existieren
und häufig auch interativ wirken. Sie erfüllen also oft mehrere
"Spezialanfroderungen" gleichzeitig:
Cross Promotion und Mundpropaganda (mouth-to-mouth
advertising)
Wenn Unternehmen verschiedener Leistungsbereiche gleiche oder
ähnliche Zielgruppen haben und gemeinsame Werbung entwickeln,
wie im Fall BMW Z3 und MGM, wird von Cross-Promotion gesprochen.
Hier profitieren beide Parteien von der Deckungsgleichheit einer
Imagebotschaft und senken gleichzeitig die Schaltkosten bzw.
Beschaffungskosten der Ausstattung, z.B. für einen Kinofilm.
Derartige Ziele werden auch mit Vitrinentausch im Einzelhandel,
Cross Selling Aktionen im Außendienst oder gemeinsamer
Plakatwerbung von NGOs und karitativen Unternehmen verfolgt.
Auch sind persönliche Empfehlungen (Mundpropaganda) und die
Verbundenheit der Zielgruppe für "ihre" Marken und das allgemein
positive Image mancher Marken beispielsweise bei Kindern oder
Besserverdienern geeignet, dauerhaft die Aufmerksamkeit auf
dazugehörige Angebote zu lenken. Die Empfehlung einer
sympathischen Marke oder eines zufriedenstellenden Anbieters im
Bekanntenkreis ist eine der Hauptumsatzquellen für das sog.
Netzwerk-Marketing (auch Multi-Level-Marketing), bei dem
selbständige Handelsvertreter beinahe ausschließlich über
Empfehlungen werben. Sowohl Cross-Promotion als auch das sog.
Empfehlungsmarketing nutzt diese Deckungsgleichheit der
Meinungsbidlung zur Generierung zusätzlicher
Interessentenkontakte im Vertrieb.
Direktwerbung
Bei der Direktwerbung handelt es sich um eine vereinfachte Form
des Direktmarketing ohne Dialogelement. Sie unterscheidet sich
also vom Direktmarketing durch das Fehlen von
Responseverstärkern. Im Unterschied zur allgemeinen
Massenwerbung hat die Direktwerbung allerdings eine viel höhere
Zielgruppensicherheit, weil sie im Gegensatz z. B. zur Radio-
oder Fernsehwerbung personifiziert eingesetzt wird.
Ziel der direkten und individuellen Ansprache ist es, dass der
Umworbene neben Informationen über Produkte und
Dienstleistungen, auch zum Vertragsabschluss in Form einer
Bestellung bewegt wird. Das wichtigste Element der Direktwerbung
ist das Mailing. Dabei ist zu unterscheiden, dass hier die
Informationen im Vordergrund stehen und nicht die mögliche
Antwort des Umworbenen. Die Gestaltung eines solchen Briefes
folgt in der Regel im Aufbau dem AIDA-Modell und Erkenntnissen
aus der Forschung über Gebrauchstauglichkeit (usability).
Werbeerfolgskontrolle
Noch unterhalb des weitaus komplexeren Controlling-Regelkreises
eines Unternehmens steht die einfache, eindimensionale
Werbeerfolgskontrolle anhand der Vergleichszahl vor und nach
einer Werbemaßnahme. Zu diesem Ergebnis kommt man auch über die
Überlegung, dass sich ein Werbeerfolg nur messen lässt, wenn die
Werbeziele operational sind. Der Umsatz und der Gewinn eines
Unternehmens erfüllen diese Anforderungen nicht (Köhler/Hörschgen).
Es ergeben sich sowohl Möglichkeiten zur ökonomischen
Erfolgskontrolle, als auch des kommunikativen Erfolges.
Ökonomische Erfolgskontrolle
Auf der Grundlage einer Deckungsbeitragsrechnung lässt sich der
Break-Even-Point für den Einsatz der Werbung berechnen. Sobald
die zielgruppenbezogenen Deckungsbeiträge die Sach- und
administrativen Kosten der Maßnahme übersteigen, lohnt sich die
Werbung.
Man befragt die Kunden direkt oder wertet den Response von
Direktmarketing-Aktionen aus, um eine direkte Verbindung
zwischen den Werbemaßnahmen und unmittelbar rückverfolgbaren
Kaufentscheidungen des Kunden herzustellen. Dabei empfiehlt es
sich, verschiedene Headlines (Schlagzeilen, Schlüsselworte),
Anzeigenmotive u. ä. gegeneinander zu testen, um herauszufinden,
welche am besten funktionieren.
Diese Methode wurde in den 1920er Jahren in den USA zur
Perfektion entwickelt: Über Anzeigen mit Response-Element, die
man zielgruppenspezifisch in verschiedenen Zeitungen und
Zeitschriften geschaltet hat, wurde z. B. getestet, welche
Headlines in der anvisierten Zielgruppe den höchsten Rücklauf
erzeugten. Das Internet und besonders E-Shops bieten zahlreiche
neue Möglichkeiten für dieses Verfahren.
Kontrolle des kommunikativen Erfolges
Das Recognition-Verfahren (auch als Wiedererkennungsverfahren
bekannt) versucht zu ermitteln, inwieweit ein Werbekontakt
stattgefunden hat, den die Zielpersonen in einem definierten
Zeitrahmen erinnern. Die vorgenannte SägezahnKurve nach Zielske
wurde so ermittelt. Mit dem sog. Starch-Test wird beispielsweise
ermittelt, ob Anzeigen ganz oder teilweise wiedererkannt werden.
Das Problem hierbei ist allerdings, dass ein Interesse an einer
Werbebotschaft noch keinesfalls zu Kaufabsichten führen muss.
Bei dem ähnlich orientierten Recall-Verfahren wird die
Erinnerung an bestimmte Werbebotschaft abgefragt und entweder
die
* ungestützte Erinnerung (unaided recall) bzw. die
* gestützte Erinnerung (aided recall) untersucht.
Ausbildung
Der Zugang zum Werbeberuf ist nicht einheitlich geregelt. Neben
manigfaltigen Möglichkeiten für Quereinsteiger sollen hier vier
Hauptausbildungen kurz skizziert werden:
Kaufmann für Marketingkommunikation
Marketingkommunikationskaufleute werden in einer dreijährigen
dualen Ausbildung gem. Berufsbildungsgesetz (BBiG) auf eine
beratungsintensive und anspruchsvolle Tätigkeit vorbereitet. Sie
entwickeln Werbestrategien für verschiedene Medien und setzen
sie kaufmännisch um, indem sie z.B. Aufträge planen, durchführen
und kontrollieren sowie den Zahlungsverkehr überwachen.
Beschäftigungsmöglichkeiten finden sich in der Werbebranche,
z.B. in Werbeabteilungen größerer Unternehmen, bei
Werbeagenturen, Messe- und Ausstellungsgesellschaften oder
Werbefachverbänden. Der Monoberuf wird ohne Spezialisierung nach
Fachrichtungen oder Schwerpunkten in Unternehmen der
Werbewirtschaft bzw. Werbe-/Marketingabteilungen von
Unternehmen, Verbänden und anderen Institutionen ausgebildet.
Werbetexter
Die Ausbildung zum Werbetexter ist nicht geregelt. Der Einstieg
in diesen Beruf kann daher sehr unterschiedlich verlaufen. In
der Regel ist eine Anstellung als Praktikant oder Trainee der
erste Schritt in den Beruf. In dieser Zeit, die zwischen drei
Monaten und einem Jahr dauern kann, erlernt der zukünftige
Werbetexter die Grundlagen des Textens, auch "Training-on-the-job"
genannt. Hat man in dieser Zeit sein Talent unter Beweis stellen
können, wird man mit ein wenig Glück als Junior-Texter
angestellt.
Die meisten Werbetexter sind Seiteneinsteiger, d.h vor ihrer
Tätigkeit als Werbetexter hatten sie kaum Berührung mit der
Branche. Viele Texter haben vor ihrem Einstieg ein geistes- oder
sprachwissenschaftliches Studium absolviert. Ein akademischer
Hintergrund kann für den Einstieg durchaus hilfreich sein, ist
aber im Allgemeinen keine zwingende Voraussetzung. Entscheidend
ist alleine das kreative Talent, d.h die Fähigkeit, viele,
überraschende Ideen unter sehr engen Vorgaben entwickeln zu
können.
Die meisten größeren Agenturen prüfen diese Fähigkeit anhand
eines so genannten Copy-Tests, in dem eine Reihe von
realitätsnahen Aufgaben aus der Werbepraxis gelöst werden
sollen. Nach diesem Test wird dann entschieden, ob ein Bewerber
zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen wird und schließlich
eine Praktikanten-Stelle erhält.
In Deutschland gibt es zwei private Ausbildungsstätten, die
bundesweit einen sehr guten Ruf genießen: die Texterschmiede und
Miami-Ad-School Europe, beide in Hamburg.
Werbegrafiker
Der Grafik-Designer arbeitet heute fast vollständig an Computer
basierender Gestaltung. Die Ausbildung ist nicht einheitlich,
zwar gibt es Grafik-Design an verschiedenen Fachhochschulen und
Hochschulen als Studiengang (Abschluss Diplom), doch ist der
Begriff "Designer" nicht geschützt.
So entstanden in den letzten Jahren eine Vielzahl von
öffentlichen und privaten Schulen die eine "Designer-Ausbildung"
anbieten, viele davon auch im grafischen Bereich, weshalb diese
Absolventen sich teilweise auch als Grafiker verstehen.
Zu der täglichen Arbeit des Grafikdesigners (heute:
Kommunikationsdesigners) gehört im wesentlichen die Erstellung
von Printprodukten, Layout, Drucksatz, Illustration, Konzeption
und Entwurf, Typografie, Fotografie, Zeichnen,
Desktop-Publishing, Animation, Druckvorstufe, Webdesign,
Modellbau, Verpackung, Rastersysteme.
Häufig haben Grafiker Zugangsberufe im EDV-Bereich oder ein
Kunststudium. Die Hochschulausbildung zum Dipl.-Grafiker ist
ebenfalls möglich und bietet eine Spezialisierung z.B. im
Industriedesign, der Gebrauchsgrafik oder Computerspiel-Design.
Werbefotograf
Werbefotografen fertigen Werbeaufnahmen für Bereiche wie
Modefotografie, Sachfotografie und Stil-Life. Nach Vorgabe der
Kunden und Auftraggeber betonen sie dabei die Eigenschaften oder
Vorzüge, die in der Werbung für das jeweilige Produkt
hervorgehoben werden sollen.
Sie fotografieren das jeweilige Arrangement, in der Regel aus
verschiedenen Blickwinkeln. Durch Digitalkameras und
Bildbearbeitungstechnik ist damit zu rechnen, dass in wenigen
Jahren über 90 Prozent der Werbeaufnahmen auf digitalem Weg
zustande kommen. Der Versandhändler Neckermann fotografiert seit
Jahren ausschließlich digital.
Für Werbefotografen bedeutet dies neue Möglichkeiten in der
Aufnahmetechnik und Bildgestaltung als auch die Notwendigkeit,
sich mit der neuen Technik vertraut zu machen.
Neben Kenntnissen der digitalen Fotografie und der
branchenüblichen Hard- und Software benötigt man in diesem Beruf
Kreativität, Qualitätstreue und Terminzuverlässigkeit. Außerdem
sollten Werbefotografen Reisebereitschaft zeigen, sich in ein
Team einfügen können und über Englischkenntnisse verfügen.
Um als Werbefotograf arbeiten zu können, ist eine Ausbildung als
Fotograf erforderlich. Aber auch Quereinsteiger mit
entsprechender Berufserfahrung arbeiten in Agenturen oder
selbständig.
Agenturen
Werbeagentur
Eine Werbeagentur ist ein Dienstleistungsunternehmen, das für
Firmen und andere Auftraggeber die Beratung, Konzeption,
Planung, Gestaltung und Realisierung von Werbe- und sonstigen
Kommunikationsmaßnahmen übernimmt. Eine Werbeagentur kann
folgende Leistungen anbieten:
* Analyse und Prognose: Marktforschung, Konsumentenforschung,
Mediaforschung
* Entwicklung von Kommunikationsstrategien (Strategische
Planung)
* Konzeption, Gestaltung und Produktion von Werbemaßnamen
* Analyse und Kontrolle der Werbewirkung
* Drehbücher der Werbespots (der VDW Award, Preis, wird in
Frankfurt am Main vergeben, wo allein 6000 Werbeagenturen sind -
"Werbehauptstadt")
Designagentur
Eine Designagentur ist ein Dienstleister, der auf die
Entwicklung von Corporate Design (einheitliches Erscheinungsbild
auf lange Sicht), Branding (Markenentwicklung) und
Informationsdesign spezialisiert ist. Im Einzelnen ist das die
Festlegung von Designkonstanten -- Farbigkeit, Typografie,
Formen- und Bildsprache.
Internetagentur
Internetagenturen sind spezialisierte
Designbüros/Werbeagenturen, die Konzeption, Gestaltung und
Programmierung von Webseiten und Internetportalen übernehmen.
Internetagenturen setzen entweder gesamtverantwortlich den
online-bezogenen Part von integrierten Marketing-Konzepten um
oder übernehmen lediglich Teilaufgaben, wie
Suchmaschinenmarketing und Webcontrolling.
So erarbeiten Internetagenturen online-orientierte
Marketingkonzepte über die reine Webseiten-Gestaltung hinaus. So
entsteht eine integrierte Lösung. Dazu richtet die Agentur
Content-Management-Systeme (CMS-Redaktionssyteme),
Newsletter-Verteilsysteme, Webcontrollingsoftware ein und sorgt
für Integration von externen Datenbeständen, Produktdatenbanken,
Mitglieder-/Kundendatenbanken.
Verbände und Organisationen
Deutscher Werberat
Der 1972 gegründete Deutsche Werberat ist das selbstdisziplinäre
Organ der Kommunikationswirtschaft und arbeitet als
Konfliktregler zwischen Beschwerdeführern aus der Bevölkerung
und werbungtreibenden Unternehmen. Vier zentrale Maßstäbe bilden
die Grundlage für seine Entscheidung:
1. die allgemeinen Gesetze,
2. die werberechtlichen Vorschriften, welche die Unlauterkeit
und Irreführung in der Werbung verbieten,
3. die Verhaltensregeln des Deutschen Werberats: für die Werbung
mit und vor Kindern im Fernsehen und Hörfunk, für die Bewerbung
von alkoholischen Getränken,
4. die aktuell herrschende Auffassung über Sitte, Anstand und
Moral in der Gesellschaft.
Der Werberat veröffentlicht jährlich im Frühjahr und Herbst sog.
GWA-Monitore, Branchenberichte zu Schwerpunktthemen. Die dem GWA
angehörenden Werbeagenturen repräsentieren rund 82 Prozent des
Umsatzvolumens der Top 200 Agenturen Deutschlands; damit hat der
GWA Branchenrelevanz.
Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) [Bearbeiten]
Anders als in allen anderen Industriestaaten sind in Deutschland
sämtliche zur Werbewirtschaft zählenden Gruppen in einer
Dachorganisation vereint.
Dem 1949 gegründete Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft
e.V. (ZAW) gehören überwiegend Verbände an, deren Mitglieder
Wirtschaftswerbung betreiben, vorbereiten, durchführen,
gestalten und vermitteln.
Derzeit sind im ZAW 41 Organisationen zusammengeschlossen,
gegliedert in die vier Bereiche:
* werbungtreibende Wirtschaft (14)
* Werbungdurchführende und Werbemittelhersteller (22)
* Werbeagenturen (1)
* Werbeberufe und Markt- und Sozialforschung (4)
Der ZAW vertritt die Werbewirtschaft in ihren grundsätzlichen
Positionen nach außen und bildet den "runden Tisch" für die
Formulierung der gemeinsamen Politik und den Interessenausgleich
aller am Werbegeschäft Beteiligten. Dieses wird durch die
Gremien des ZAW wahrgenommen.
Die Interessenvertretung des ZAW nach außen erfolgt in erster
Linie in Form von Meinungsäußerungen und Stellungnahmen
gegenüber Legislative und Exekutive – angefangen vom Bundestag,
Bundesrat und Bundesregierung über Länderparlamente und
Länderregierungen bis hin zu den Kommunen sowie den
Institutionen der Europäischen Union.
IVW
Die IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der
Verbreitung von Werbeträgern e. V.) wurde 1949 als
Unterorganisation des kurz zuvor konstituierten Zentralverbandes
der Deutschen Werbewirtschaft (ZAW) gegründet und 1955 als
eingetragener gemeinnütziger Verein mit Sitz in Bonn rechtlich
verselbständigt.
Als neutrale Kontrolleinrichtung verfolgt die IVW laut Satzung
den Zweck, zur Förderung der Wahrheit und Klarheit der Werbung
und damit zur Sicherung eines echten Leistungswettbewerbs
vergleichbare und objektiv ermittelte Unterlagen über die
Verbreitung von Werbeträgern zu beschaffen und bereitzustellen.
Ursprünglich als Einrichtung zur Auflagenkontrolle von
Printmedien geschaffen, wurde der Tätigkeitsbereich der IVW im
Laufe der Jahrzehnte auf weitere Medien ausgedehnt, nämlich auf
Plakatanschlag und Verkehrsmittelwerbung, Filmtheater,
Funkmedien, periodische elektronische Datenträger und
Online-Medien, für die jeweils spezielle Richtlinien gelten.
Quelle: Wikipedia.de
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