|
Konfirmation (v. lat.: confirmatio „Befestigung,
Bekräftigung“) ist eine feierliche Segenshandlung in vielen
evangelischen Kirchen und in der Christengemeinschaft, die den
Übertritt ins kirchliche Erwachsenenalter markiert.
Den Namen hat die Konfirmationsfeier mit dem katholischen
Sakrament der Firmung gemeinsam, dessen lateinischer Name
ebenfalls confirmatio ist.
Weil lange Zeit die Konfirmation mit dem Ende der
Schulzeit zusammenfiel, war sie auch - und ist sie nach wie vor
- ein bürgerliches Initiationsritual, das als wichtiger
Meilenstein auf dem Weg ins Erwachsensein gilt.
Bedeutung
Es gibt zwei Deutungen der Konfirmation, die in den meisten
Kirchen parallel bestehen:
* die persönliche Bestätigung der Taufe und damit das bewusste
Ja zum christlichen Glauben und zur Kirchenzugehörigkeit
* Abschluss des kirchlichen Unterrichtes und Eintritt ins
(kirchliche) Erwachsenenleben
Die Konfirmation wird kirchenrechtlich als Übertritt zum
mündigen Kirchenmitglied gesehen, wobei die konkreten Rechte in
den verschiedenen Kirchen unterschiedlich sind:
* In einigen Kirchen, insbesondere der lutherischen Tradition,
dürfen nur Konfirmierte am Abendmahl teilnehmen. In Kirchen, die
eine offene Kommunion oder das Kinderabendmahl praktizieren, hat
dieser Punkt keine Bedeutung mehr.
* In vielen Kirchen haben Konfirmierte ungeachtet ihres Alters
das Recht, Taufpaten zu sein.
* In einigen Schweizer Kirchen ist mit der Konfirmation das
Stimmrecht und das aktive und passive Wahlrecht in der
Kirchgemeinde verbunden, es kann also im Prinzip bereits ein
16jähriger Konfirmierter Kirchenältester oder Synodale werden.
Ritus
Die Konfirmation wird im Rahmen eines Festgottesdienstes
vollzogen, in dem Konfirmanden ihren Glauben öffentlich
bekräftigen sollen. Damit wird an ihre Taufe als Kind
angeknüpft, bei der Eltern und Paten stellvertretend für sie den
Glauben bekannt haben. In einigen Kirchen geschieht das durch
das Sprechen des apostolischen Glaubensbekenntnisses, in anderen
wird kein spezifisches Bekenntnis verlangt, sondern die
Teilnahme an der öffentlichen Feier gilt als öffentliche
Bekräftigung des Glaubens.
Die Konfirmanden empfangen den Segen durch Handauflegung sowie
einen biblischen Konfirmationsspruch, der sie weiter durch ihr
Leben begleiten soll. Danach (heute oft auch am Vorabend oder zu
einem anderen geeigneten Zeitpunkt) nehmen sie häufig zum ersten
Mal am Abendmahl teil. Seit in einigen evangelischen
Landeskirchen das Kinderabendmahl eingeführt wurde, verliert
diese Zulassung zum Abendmahl jedoch zunehmend an Bedeutung. Das
eigene „Ja“ zum Glauben gewinnt dafür an Gewicht.
Die Konfirmation ist gewöhnlich mit einem Familienfest und
Geschenken verbunden.
Zeitpunkt
In den deutschen Landeskirchen findet die Konfirmation
üblicherweise im Alter von 14 Jahren statt. Das
Konfirmationsalter wird dabei davon bestimmt, dass Jugendliche
mit Vollendung des 14.Lebensjahres das Alter ihrer
Religionsmündigkeit erreicht haben und nun selbst über ihre
Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft entscheiden und
bestimmen können.
An der früher allgemein verbreiteten Festlegung der Konfirmation
auf den Palmsonntag wird noch in einigen Landeskirchen
festgehalten (z.B. in der Pfalz), andere deutsche Landeskirchen
haben sich davon verabschiedet; so können die Konfirmationen im
Rheinland frühestens an Quasimodogeniti, dem Sonntag nach
Ostern, und spätestens an Trinitatis stattfinden. Die Feier am
Palmsonntag hat ihren Ursprung darin, dass die Konfirmation in
Verbindung mit der Entlassung aus der Volksschule gesehen wurde
und vor Antritt der Lehre (oft 1. April) erfolgen sollte.
Quasimodogeniti ist als der Sonntag nach Ostern in der alten
Kirche der Sonntag, an dem die Täuflinge der Osternacht ihre
weißen Taufgewänder wieder ablegen durften und damit ein Tag der
Tauferinnerung. Die Verbindung zur Konfirmation liegt da nahe.
In den Schweizer Landeskirchen findet die Konfirmation im Alter
von 15 oder 16 Jahren statt, wodurch sie mit dem Abschluss der
obligatorischen Schulzeit zusammenfällt und auch so einen
Übertritt ins Erwachsenenalter markiert. Mit der landesweiten
Einführung des Schuljahrendes im Sommer gegen Ende des 20.
Jahrhunderts ist die alte Selbstverständlichkeit der
Konfirmation an Palmsonntag hinfällig geworden und sie findet
oft im Frühsommer statt.
In der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche können
Konfirmationen ganzjährig gefeiert werden.
Vorbereitung
Die Vorbereitung auf die Konfirmation dauert je nach
Kirchenordnung zwischen neun Monaten und mehreren Jahren.
Traditionell findet der Konfirmandenunterricht einmal
wöchentlich statt und wird von einem Pfarrer oder einer
Pfarrerin abgehalten. In den letzten Jahrzehnten werden daneben
in vielen Landeskirchen zahlreiche andere Formen erprobt: Es
gibt 14-tägigen Unterricht oder Kursunterrichtsmodelle und
Blockunterrichtsmodelle. Gemeinsame Freizeiten gewinnen an
Bedeutung. An vielen Orten beginnt der Unterricht inzwischen
schon in der 3. oder 4. Klasse, eine Phase der Jugendarbeit
schließt sich an, bevor dann mit 14 Jahren die Konfirmation
stattfindet. Zunehmend wirken auch Ehrenamtliche, jugendliche
Mitarbeiter, und Eltern am Unterricht mit.
Im Konfirmandenunterricht werden viele Glaubensinhalte
ausführlich behandelt. Traditionell wurden große Teile des
Katechismus auswendig gelernt und das Gelernte in strengen
Abfragen überprüft. Heute steht am Ende der Konfirmandenzeit oft
ein Vorstellungsgottesdienst, in dem zum einen die Konfirmanden
noch einmal der Gemeinde vorgestellt werden. Zum anderen stellen
die Konfirmandinnen und Konfirmanden Inhalte des Unterrichts vor
und geben so exemplarische Einblicke in das Gelernte.
Während dieser Zeit sind die Konfirmanden angehalten, öfters
Gottesdienste ihrer Kirchengemeinde zu besuchen. Allerdings ist
das Interesse an der Teilnahme an den Gottesdiensten unter den
angehenden Konfirmanden im Bereich der Landeskirchen im
Allgemeinen recht gering, so dass die meisten Kirchengemeinden
seit vielen Jahren ein Kontrollsystem eingeführt bzw. eine
Mindestbesuchszahl als Voraussetzung für die Zulassung zur
Konfirmationsfeier festgelegt haben.
Geschichte
Die evangelische Konfirmation geht auf den Straßburger
Reformator Martin Bucer zurück und ist erstmals 1539 in der
Ziegenhainer Kirchenzuchtordnung formuliert. Flächendeckend
konnte sie sich erst im 18. Jahrhundert durchsetzen, als der
Pietismus in Deutschland zunehmend die Bedeutung des
persönlichen Bekenntnisses betonte.
In der DDR wurde die evangelische Konfirmation von staatlicher
Seite stark bekämpft. Es gelang dort, die Bedeutung der
Konfirmationsfeier weitgehend durch die Jugendweihe zu
verdrängen. Verzeichnete die Anzahl der Konfirmationen im
Bereich der neuen Bundesländer nach dem Ende der DDR und der
Wiedervereinigung zunächst wieder eine deutliche Zunahme, ist
die Jugendweihe dort inzwischen wieder auf dem Vormarsch, nicht
zuletzt weil im Osten Deutschlands die beiden großen
christlichen Konfessionen nur eine untergeordnete Rolle spielen
und sich die Mehrheit der Bevölkerung als konfessionslos
bezeichnet.
Konfirmation und andere Konfessionen
In der römisch-katholischen und orthodoxen Kirche gibt es keinen
der Konfirmation entsprechenden Übergangsritus in der
Adoleszenz. Die Firmung, die allerdings als Sakrament verstanden
wird, wird in der orthodoxen Kirche gemeinsam mit der Taufe
durchgeführt. Katholische Kinder empfangen die Firmung in der
Regel im Rahmen einer bischöflichen Visite in der Gemeinde im
Alter zwischen 12 und 16 Jahren.
Taufgesinnte Freikirchen wie zum Beispiel die Baptisten kennen
keine Konfirmation, da erst mit der Gläubigentaufe die Aufnahme
in die volle Mitgliedschaft der Gemeinde erfolgt. Allerdings
wird in diesen Kirchen ein zwei- bis dreijähriger
Bibelunterricht für 12- bis 14jährige angeboten. Am Ende dieses
Unterrichts steht ein besonderer Abschlussgottesdienst.
Einige evangelischen Kirche (Methodisten, Altreformierte) kennen
zwar das öffentliche Bekenntnis des Glaubens als Voraussetzung
für die Mitgliedschaft, haben aber kein fest gelegtes
Konfirmationsalter. Jugendliche bzw. Erwachsene sollen ihren
Glauben erst dann bekräftigen, wenn sie sich dazu innerlich in
der Lage sehen. Gewöhnlich wird in solchen Kirchen zum Abschluss
des Unterrichtes ein Einsegnungsgottesdienst gefeiert, während
die Konfirmation ihrem theologischen Gehalt nach erst später bei
der „Gliederaufnahme" zum Ausdruck kommt, dann erst beginnt die
volle und mündige Kirchenmitgliedschaft. Diese Kirchen vermeiden
in der Regel das Wort Konfirmation sowohl für den
Einsegnungsgottesdienst als auch für die Bekenntnisfeier. s
Kritik
Es gibt die Kritik, ein Großteil der Konfirmanden nehme vor
allem aus familiären und finanziellen Gründen an der
Konfirmationsfeier teil. Der Glaube an Gott, Jesus Christus oder
die Bibel spiele nur in wenigen Fällen eine Rolle für die
Teilnahme an der Konfirmationsfeier, wie religionssoziologische
Untersuchungen zeigten. Das gebe eine große Zahl der betroffenen
Jugendlichen auf Nachfrage auch offen zu. Nur wenige hätten
allerdings den Mut, bei Glaubenszweifeln oder völligem Unglauben
der Feier zu entsagen und auf die damit verbundenen nicht
unerheblichen materiellen Vorteile zu verzichten. Diese Kritik
führte in evangelikalen und einigen freikirchlichen Kreisen zu
Kritik an der Konfirmationspraxis der evangelischen
Landeskirchen. Sie sehen in der formellen Einsegnung anlässlich
der Konfirmationsfeier eher eine de facto „Aussegnung“: Für
viele Konfirmanden sei die Feier der vorläufig letzte Kontakt
mit ihrer Kirchengemeinde.
Mit der Kritik an der landeskirchlichen Konfirmation ist in
einigen Punkten darüber hinaus eine Kritik an der Praxis der
Kindertaufe verbunden: Eine Konfirmation im religionsmündigen
Alter ist nur nötig, weil die Kinder zuvor als Unmündige (in der
Regel noch als Säuglinge) getauft wurden. Tauf- wie
Konfirmationspraxis (falls letzteres dann überhaupt noch
notwendig wäre) müsse auf einer mündigen persönlichen
Entscheidung für den christlichen Glauben beruhen.
Quelle: Wikipedia.de
|