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Freundschaft bezeichnet eine positive Beziehung und Empfindung
zwischen zwei Menschen, die sich als Sympathie und Vertrauen
zwischen ihnen zeigt. Die in einer freundschaftlichen Beziehung
zueinander stehenden Menschen bezeichnet man als Freundin bzw.
Freund. In einer Freundschaft schätzen und mögen die
befreundeten Menschen einander um ihrer selbst willen.
Freundschaft beruht auf Zuneigung, Vertrauen und gegenseitiger
Wertschätzung.
Der Begriff "Freundschaft" bezieht sich in der Regel auf
Beziehungen zwischen nicht verwandten Personen. Freundschaft
wird heute besonders gegen familiäre Beziehungen abgegrenzt, die
zwar ebenfalls dauerhaft und emotional, aber entweder nicht frei
gewählt (Verwandte) oder sexuell geprägt (Sexual- und
Ehepartner) sind.
Wenn Tiere gut miteinander zurechtkommen, wird auch von
"Tierfreundschaft" gesprochen.
Im übertragenen Sinne bezeichnet "Freundschaft" ein gutes und
oft vertraglich geregeltes politisches Verhältnis zwischen
Völkern oder Nationen.
Umgangssprachliche Begriffsbestimmung
Umgangssprachlich werden freundschaftliche Beziehungen nach dem
Grad ihrer Stärke abgestuft: Die schwächste Form ist die positiv
empfundene "Bekanntschaft". Herausragend ist "der Freund fürs
Leben", eine Formulierung, die eine sehr intensive und
bedingungslose Bindung andeutet, der auch lange Trennungen
nichts anhaben können. Ihre stärkste Form zeigt sich in der
Selbstaufopferung zugunsten des anderen.
Von der Liebe wird sie hauptsächlich unterschieden, weil sie die
sinnliche Anziehung nicht einbegreift.
Sie ist in der Regel nicht mit der Kameradschaft des Militärs,
bei der Feuerwehr, bei den Pfadfindern oder Bergsteigern,
Sportlern und in den Vereinen deckungsgleich, oft auch nicht mit
der Solidarität in der Arbeiterbewegung, hier ist man meist
einander nur organisatorisch und in Gesinnungen verbunden.
Allerdings kann Freundschaft auch Schnittmengen mit der
Kameradschaft haben.
Der Psychologe Herb Goldberg sagt, Kameradschaft verlaufe in
drei Phasen, die vorletzte Phase zur Kameradschaft sei die
Freundschaft:
1. Auch Goldberg erkennt als erste Phase die Nutzfreundschaften.
Sie würden nur geschlossen, solange die Beteiligten aus welchen
Motiven auch immer voneinander profitierten.
2. Die zweite Gruppe stellten die Zweckfreundschaften dar: Man
geselle sich auch in der Freizeit aus freien Stücken zueinander,
um einen bestimmten Zweck zu verfolgen, so wie z.B. Fußballer,
die sich zum Fußballspiel träfen, und im Zuge dessen miteinander
Zeit verbrächten.
3. Die dritte Phase zur Kameradschaft sei dann die Freundschaft.
Sie sei unter anderem dadurch gekennzeichnet, dass Menschen aus
Gründen zueinander kommen, ohne bestimmte Ziele, Zwecke, Nutzen
etc. zu verfolgen. Diesen Menschen sei es in ihrer Beziehung
zueinander nicht mehr wichtig, ob sie selbst Gewinner oder
Verlierer sind; Überlegenheit spielt keine Rolle mehr.
Häufig wird das Wort "Freundschaft" erweitert, um andere
Beziehungen positiv einzufärben. Zum Beispiel bedeutet, jemanden
einen Geschäftsfreund zu nennen, dass eine geschäftliche
Beziehung besteht, die auf positiven Erfahrungen beruht und über
eine bloße Geschäftspartnerschaft hinausgeht (z.B. weil
wechselseitige Sympathie besteht oder sie von angenehmen
Kontakten geprägt ist). Siehe auch Brieffreundschaft.
Soziologische
Begriffsbestimmungen und Erörterungen
In der Soziologie hat Ferdinand Tönnies Freundschaft als
„Gemeinschaft des Geistes“ kategorisiert. Auch gibt es einige
wissenschaftliche Untersuchungen zum Verhalten innerhalb einer
Freundschaft. So streiten enge Freunde mehr als lediglich
miteinander bekannte Personen. Der Grund dafür wird von
Psychologen und Soziologen darin gesehen, dass sich enge Freunde
einander sicher sind und daher nicht übervorsichtig agieren
müssen. Außerdem haben sie mehr Kontakt zueinander, d.h. mehr
Reibungsfläche.
Georg Simmel beschreibt in "Soziologie der Freundschaft" die
Freundschaft als differenzierte Freundschaft. Im Gegensatz zu
Aristoteles sieht er Freundschaft als graduelles Phänomen.
Freundschaft fängt für ihn in dem Moment an, in dem sich zwei
Menschen bekannt sind. Sie wissen also um ihre gegenseitige
Existenz. Von dieser Basis aus können die Menschen verschieden
weit in die "Sphäre" des anderen eindringen. Auf der einen Seite
hängt die Tiefe und der Umfang des Eindringens von dem ab, was
man preisgeben will, und auf der anderen Seite ist diese Grenze
in der Freundschaft auch bekannt, so dass der andere diese
Grenze nicht einfach überschreiten wird. (Beispiel: Mit den
Fußballkumpels spricht man über Fußball. Die Eheprobleme
anzusprechen, wäre eine Grenzüberschreitung.)
Simmel bezeichnet das, was jenseits dieser Grenze liegt, als
"Reserve" - das ist positiv und negativ gemeint: Auf der einen
Seite gibt man etwas nicht von sich preis, auf der anderen Seite
ist da noch etwas, was man der Freundschaft hinzugeben könnte.
Auch wenn also im täglichen Umgang diese Grenze nicht
überschritten wird, so ist dennoch die Möglichkeit gegeben, die
Freundschaft auch auf andere Dinge auszuweiten und so zu
vertiefen.
Einen Sonderfall der Freundschaft sieht Simmel in der Ehe: Das
hängt zum einen damit zusammen, dass die Ehe ihren Charakter
gewandelt hat. War bei Montaigne die Ehe noch ein Handel, so ist
die Ehe in der Moderne eher von Liebe gekennzeichnet. Wenn die
Ehe also eine Liebesbeziehung ist, so wirkt ein
freundschaftliches Element. Simmel warnt davor, die Ehe als
sofortige und umfassende Öffnung der Partner zu verstehen. Er
sieht den Wert einer Ehe vielmehr in dem Prozess der
fortschreitenden freiwilligen Vertiefung der Freundschaft.
Wertvoll sind sowohl die geteilten Dinge, als auch die Dinge,
die man dem Partner (noch) nicht mitteilen will oder kann. Dazu
kommt, dass man sich selbst über viele Dinge nicht so im Klaren
ist, dass man sie sich selbst überhaupt mitteilen könnte oder
wollte. Dieser "blinde Fleck" in der Beziehung zu sich selbst
wäre potenziell enttäuschend für eine Ehe, die auf komplette
Öffnung ausgelegt ist.
Philosophische Begriffsbestimmung
Aristoteles
Für Aristoteles ist die Freundschaft wichtiger Bestandteil einer
funktionierenden (Polis-) Gesellschaft. Noch höher als die
Gerechtigkeit soll der Staat die Freundschaft schätzen. In der
griechischen Polis gab es keine öffentlichen Dienste wie Polizei
und Feuerwehr, so war jeder auf das Wohlwollen des anderen
angewiesen. Wer in Ämter gewählt werden wollte, musste sich das
Wohlwollen der Menschen sichern. Heutzutage würde man eine Reihe
der als "Freundschaft" bezeichneten Verhältnisse nicht mehr
unbedingt als Freundschaften bezeichnen. Im Altgriechischen
bedeutet das Wort "philia" allerdings sowohl "Freundschaft" als
auch "Liebe" und kann folglich auch in diesem weiteren Sinn
benutzt werden.
Aristoteles hält Freundschaft nicht für ein graduelles Phänomen,
bei dem einem der eine Mensch mehr freund ist als der andere,
sondern er kategorisiert die verschiedenen Freundschaften. Als
erstes teilt er sie in die "Freundschaft unter Gleichen" und die
"Freundschaft unter Ungleichen" und schließt gleichzeitig die
Freundschaft zu unbeseelten Dingen aus. Aristoteles bezieht sich
mit dieser Philia-Systematik auf Platons Dialog Lysis, in dem
kategorial souverän und künstlerisch spielend das Problem der
selbstlosen Freundschaft entfaltet wird.
Die Freundschaft unter Gleichen gilt für gleichgestellte Bürger.
Man ist einander ebenbürtig. Diese Freundschaft unterteilt er
weiter in Nutzen-, Lust- und Tugendfreundschaft. Die
Nutzenfreundschaft bringt die Menschen zu einem Zweck zusammen.
Fällt dieser Zweck weg, ist die Freundschaft gefährdet.
Ähnliches gilt für die Lustfreundschaft, die rein affektiv
begründet ist. Diese beiden Arten sind akzidentiell und labil.
Stabil dagegen ist die Tugend- oder Charakterfreundschaft. Sie
ist die Freundschaft um des Freundes willen. Hier kommt
Aristoteles' Mesothes-Lehre ins Spiel, deren Maxime zufolge das
Maßhalten der Weg zu einem tugendhaften und erfüllten Leben ist.
Sind sich zwei Personen in ihrer Tugendhaftigkeit ähnlich, so
ist das die Voraussetzung für die vollkommene Freundschaft. Wie
für jegliche Tugend gilt auch für die Freundschaft bei
Aristoteles, dass sie durch wiederholtes Handeln zur Gewohnheit
werden muss. Man übt die Freundschaft nur im alltäglichen
Umgang. Die Teilhabe am Leben des Freundes und damit die
räumliche Nähe sind nach Aristoteles für eine Freundschaft
unerlässlich .
Die Freundschaft unter Ungleichen bei Aristoteles würde man
heute vermutlich eher als Ehrerbietung bezeichnen. Sie
beschreibt nicht nur das Verhältnis zwischen den Generationen,
sondern auch das Verhältnis des Menschen zum Staat. So muss nach
Aristoteles die Asymmetrie der Hierarchie durch einen
Mehraufwand von "philia" seitens des Unterlegenen ausgeglichen
werden. Der Sohn muss dem Vater mehr Respekt entgegenbringen als
umgekehrt, so wie der Bürger mehr in den Staat investiert, als
er unmittelbar zurückbekommt.
Mittelalter
Im Mittelalter war die Freundschaft vor allem durch die
Freundschaft zu Gott und eine Freundschaft in Gott (christliche
Nächstenliebe) bestimmt.
Romantik
In der Romantik spielte die Freundschaft nach einer Zeit des
Verlustes traditioneller Bindungen und neuer Unsicherheiten auf
Grund von Individualisierungsschüben im vergangenen Jahrhundert
eine große Rolle. Besonders thematisiert wurde hier die
gleichgeschlechtliche Freundschaft, vor allem zwischen Männern.
Berühmt ist etwa die in Briefen gut dokumentierte Beziehung
zwischen Clemens Brentano und Achim von Arnim.
Montaigne
Michel de Montaigne (1533 - 1592) schrieb in seinem Essay "Über
die Freundschaft" vor allem aus einer privaten Perspektive:
Unter dem Eindruck der Wirren der französischen Bürgerkriege
erlebte er in seiner Freundschaft mit Étienne de La Boétie bis
zu dessen Tod im Alter von nur 33 Jahren ein absolutes
Vertrauen. Montaigne geht es nicht wie Aristoteles um die
Freundschaft als gesamtgesellschaftliches Phänomen - er will
seiner Freundschaft ein Denkmal setzen und hält diese Art
Freundschaft für einmalig, oder höchstens für äußerst rar. Er
teilt die Freundschaft in grob zwei Kategorien: in seine
Freundschaft zu Étienne de La Boétie und die "gewöhnliche
Freundschaft". Diese gewöhnlichen Freundschaften bestünden nur
um gegenseitigen Nutzens willen. Sie seien also labil und böten
nicht das Vertrauen seiner Freundschaft.
Des Weiteren hält Montaigne Frauen nicht der Freundschaft fähig
- ihnen fehlten die geistigen Fähigkeiten, um mit dem Mann
mitzuhalten. Er räumt allerdings ein, dass die Freundschaft zu
einer Frau - so sie denn doch über die geistigen Fähigkeiten
verfügt - noch stärker sein könne, weil sie Geist, Seele und
Körper umfasse. Die Lustfreundschaft zwischen Männern, die bei
Aristoteles noch eine starke Rolle spielte, lehnt Montaigne
schlichtweg ab.
Kultur- und literaturwissenschaftliche Begriffsbestimmung
"Freundschaft" ist nicht nur individuell, sondern auch kulturell
geformt. Ein Deutscher definiert in der Regel nur wenige seiner
Mitmenschen als Freunde, höchstens einen oder zwei. Ein
Nordamerikaner dagegen gewinnt im Laufe seines Lebens immer mehr
Freunde. Hier wird eine gute Bekanntschaft meist schon als
Freundschaft bezeichnet, im Gegensatz zu der oft tiefgehenden
und langfristigen Beziehung, die in Deutschland meist für
Freundschaft steht. Kommunikation ist ein wichtiger Teil der
Freundschaft; neben der persönlichen Begegnung gehören dazu
Telefongespräche und alle Formen schriftlicher Kommunikation.
Die Grundlagen für unterschiedliche Freundschaftskonzepte liegen
u. a. in literarischen Traditionen und in den realen
Lebensbedingungen, die sich von Kultur zu Kultur oft stark
unterscheiden. So ist der Freundschaftsbegriff in Deutschland
und Frankreich z. B. vom literarischen Freundschaftskult des 18.
Jahrhunderts (z. B. dem Göttinger Hain) geprägt, der den
Übergang von der Zwangsbindung ans Geburtsmilieu zur freien Wahl
des sozialen Umfelds (Freunde, Sexualpartner) nach dem Prinzip
der "Seelenverwandtschaft" markiert. Bei Personen, die räumlich
voneinander getrennt leben mussten, war hier das wechselseitige
Schreiben von Briefen ein wichtiges Mittel zur Pflege von
Freundschaft. In Nordamerika, wo ein solches Konzept der
Freundschaft kulturgeschichtlich weniger verwurzelt ist, spielt
die extrem hohe räumliche und soziale Mobilität der Bevölkerung
- v. a. in den höheren sozialen Schichten - eine Rolle. Die
Fähigkeit, in einer neuen Umgebung schnell Kontakte zu schließen
und Anschluss zu finden, wird hier als sehr viel wichtiger
erachtet als die Pflege "tiefer" Beziehungen, die in
Einwanderungsländern wie den USA weitaus stärker als in Europa
der Familie vorbehalten ist.
Beispiele
Literarisch ist die Freundschaft über die Jahrhunderte immer
wieder thematisiert worden. Ein Motiv, das seit den Anfängen der
Literaturgeschichte besonders traditionsbildend gewirkt hat, ist
der Freundschaftsbeweis. Einige klassische Werke zum Thema
"Freundschaft" und "Freundschaftsbeweis":
* In Homers Epos Ilias sind Diomedes und Glaukos, Achilleus und
Patroklos treue Freunde. In der Odyssee findet sich das
unzertrennliche Freundespaar Peirithoos und Theseus.
* In der römischen Dichtung erscheint bei Cicero z. B. das
Freundespaar Scipio - Laelius und bei Vergil das Freundespaar
Nisus - Euryalus.
* Beispiele aus der mittelalterlichen Literatur bilden die
Freundespaare Olivier und Roland (im Chanson de Roland,
Frankreich 1073/78), Gundahar und Sigurd in der Edda, Hagen und
Volker im Nibelungenlied, Gawan und Erec in der französischen
Artus-Epik).
* Bei dem Renaissance-Dichter Boccaccio treten die Freundespaare
Pandarus und Troilus, sodann Athis und Prophilias in
Erscheinung.
* Bei William Shakespeare sind u. a. Antonio und Bassanio (Der
Kaufmann von Venedig) und Hamlet und Horatio (Hamlet) Freunde.
* Die aus dem Freundschaftsmotiv von Damon und Phintias
inspirierte Ballade Die Bürgschaft von Friedrich Schiller ist
ein Musterbeispiel für die Darstellung unbedingten Vertrauens in
einer freundschaftlichen Beziehung.
* Reich an Freundschaften ist auch das Romanwerk von Jean Paul.
* In Hesses Unterm Rad wird der unglückliche Verlauf einer
Freundschaft, in Narziss und Goldmund werden die Gegenpole aus
Geist und Sinnlichkeit, mütterlichem und väterlichem Prinzip, im
Rahmen einer Freundschaft aufgezeigt.
Quelle: Wikipedia.de
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